Dieser Band geht auf eine von der Schweisfurth-Stiftung initiierte Seminarreihe zurück, in welcher zwanzig ökologisch orientierte Bauern und Bäuerinnen Gelegenheit fanden, Erfahrungen untereinander auszutauschen und mit Agrarwissenschaftlern ins Gespräch zu kommen. Die in zwölf Abschnitten zusammengefaßten Ergebnisse sind Orientierungshilfe, Anregung und Vermittlung zugleich, da beide Seiten, Wissenschaftler wie Praktiker, vielfach mit falschen Vorstellungen oder übertriebenen Erwartungen aufeinander zugehen, oder aber auch einander ignorieren.

Neben agrarspezifischen Fragestellungen wird auch sozialen Belangen breiter Raum gegeben. Junge Landwirte, die sich dazu entschlossen haben, langfristig ihre Kosten und Krisenanfälligkeit zu senken und nicht weiter bereit sind, den Beteuerungen der Landwirtschaftsverbände und deren politischen Wegbereitern zu vertrauen, stoßen nur zu oft auf väterlichen Widerstand oder den Hohn der Dorfgemeinschaft. In einer weitreichenden, anfänglich oft mit finanziellen Einbußen verbundenen Entscheidung sind es vor allem der Rat und die Erfolge von Kollegen, die Mut zum Weitermachen geben.

Die Analyse der Bodengesundheit mittels Spatendiagnose, Ansichten über das auch im Kreis der Landwirte nicht unumstrittene Gesteinsmehl, Erfahrungsberichte über die kurz- und mittelfristigen Auswirkungen der Umstellung und detaillierte Angaben über Fruchtfolgen, Be- und Verarbeitung sind nicht nur für den Praktiker von Interesse. Selbst der scheinbar fernstehende Endverbraucher wird die Informationen über geänderte Vertriebsformen zu schätzen wissen und vor allem nach den jüngsten Ereignissen rund um die Massentierhaltung die Diskussion um den Qualitätsbegriff nachvollziehen können. Denn mehr und mehr wird deutlich, daß nicht Glanz, Farbe und Größe die wichtigsten Faktoren sind.

Zu ihnen kommen noch Geschmack, Naturbelassenheit und Vertrauen. Gerade in dieser Richtung bleibt noch manches Feld zu bestellen: Wenn nach den Bestimmungen des österreichischen Lebensmittelgesetzes schon die Halbierung der zugelassenen Schadstoff-Grenzwerte ausreicht, um einem Produkt das Prädikat "biologisch" zu verleihen, so ist dies nicht unbedingt ermutigend. Trotz alledem wenden sich immer mehr Bauern gegen eine Industrialisierung der Landwirtschaft, nehmen die ökologische Herausforderung an und gewinnen dadurch ein neues Selbstwertgefühl sowie zunehmend breite Anerkennung.

Benecke, Jochen; Kiesewetter, Barbara; Urbauer, Hans: Bauern stellen um. Praxisberichte aus dem ökologischen Landbau. Karlsruhe: C.-F. Müller Verl., 1988 (Alternative Konzepte, Bd.62) DM 16,80/ sfr 14,20/ öS 131,-