An dieser Stelle mehren sich Besprechungen zum Themenbereich "Ökologie und Ökonomie" (vgl. dazu PZ 1/94*16, PZ 4/93*522, PZ 3/93*360). Sie sind zum einen Ausdruck des Zwangs zur Anpassung an Markt- bzw. Konsumbedürfnisse, zum anderen aber auch oft Nachweis vorgetäuschter Tatsachen als "Ökoschwindel": Autos und Atomkraftwerke werden noch umweltfreundlicher, Chemiekonzerne sind Tag und Nacht für den Umweltschutz tätig.

Im vorliegenden Sammelwerk werden in einer breit angelegten Bestandsaufnahme verschiedene ökologische Konzepte der Wirtschaft vorgestellt, aber auch Grundsätzliches zur Umweltkommunikation dargelegt.

In einem Beitrag zur Umweltkommunikation fordert Lothar Rolke von der Unternehmensgruppe "Reporter" die Informationsfolgen-Abschätzung als feste Planungsgröße im publizistischen Geschäft. Mit einer Argumentation, die, konsequent weitergedacht, Grundrechte der Demokratie in Frage stellt, plädiert er dafür, öffentliche Transparenz zu sichern, ohne Panik mit ungewissem Ausgang zu riskieren.

Angelika Zahrnt vom "BUND" nennt einige konkrete Beispiele von quasi-ökologischer Produktwerbung, die sich bei genauer Betrachtung schlichtweg als Täuschung herausstellen. Eine verantwortliche Kommunikationspolitik stellt ihres Erachtens der Verzicht auf Öko-PR v.a. dort dar, wo Produkte keine wesentlichen ökologischen Vorteile bieten; Chefredakteur Ernst Elitz vom Süddeutschen Rundfunkt spricht von glaubwürdiger Öko-PR dann, wenn "sie den Medien strategische Gesamtkonzepte anbieten kann von der Altlastensanierung über den Sammelcontainer für gebrauchte Batterien (. ..) bis zur umweltschonenden Produktion".

Weitere Themen sind Ökosponsoring (Lufthansa unterstützt Naturschutzprojekt Kranichschutz), Krisen-PR im Falle der Störfallserie bei Hoechst sowie die Diskussion über Krisengerede und Prävention.

Am Beispiel des FCKW-freien Kühlschranks zeigt Claudia Sieg, wie die sächsische Firma ddk Scharfenstein und Greenpeace erreichten, dass fünf der acht größten Kühlschrankanbieter in Deutschland ihre Produktion umstellten. Die Frage, ob vom Umweltboom in der Wirtschaft auch die Umwelt profitiert, wird insgesamt eher skeptisch beantwortet. "Zwar sind beim Einzelstück durchaus Verbesserungen erkennbar (…), doch werden diese relativen Verbesserungen oft ,überkompensiert' durch einen ungehemmten Anstieg des Gesamtverbrauchs." Alles in allem sollte Umwelt-PR an den Prinzipien der Realitätshaltigkeit, Glaubwürdigkeit, Kreativität und Beständigkeit orientiert sein.

A.A.

Unternehmen in der ökologischen Diskussion. Umweltkommunikation auf dem Prüfstand. Hrsg. v. Lothar Rolke ...

Opladen: Westdt. Verl., 1994. 256 S., DM 36,-/ sFr 33,10/ ÖS 281,-