Umgekehrt proportional scheint sich gegenwärtig das automobile Interesse in Theorie und Praxis zu gestalten: Während die deutsche Paradeindustrie - 1992 verdienten 844.000 Menschen in dieser Branche 56 Mrd. DM - in einer hartnäckigen Krise steckt, erleben begleitende Stellungnahmen aller Art einen Boom. Der Beitrag der beiden Autoren - sie sind Mitarbeiter des von WZB und TU Berlin durchgeführten Projekts „Technikgenese in organisatorischen Kontexten“ - konzentriert sich, ausgehend von den ökologischen und gesellschaftlichen Folgekosten des Automobils, auf Entwicklung und Zukunftsperspektiven des selbstfahrenden Untersatzes. Nach einem Blick auf die ökonomische Bedeutung der Branche wird das automobile Leitbild unter die Lupe genommen:

Zu Ende des 19. Jahrhunderts als Statussymbol der Wohlhabenden entwickelt und in der Phase aufkeimender Rennbegeisterung verfestigt, hat sich das Leitbild der "Rennreiselimousine" als Grundmuster global durchgesetzt. Wo auch immer Autos konstruiert werden, handelt es sich um eine "auf vier Rädern montierte Zelle, ausgestattet mit einem Verbrennungsmotor, um wenigstens vier Personen möglichst mit guter Beschleunigung mindestens 500 Kilometer weit transportieren zu können".

Von guten Argumenten gestützt, doch auch von begründeter Hoffnung geleitet, suchen Canzler und Knie den Nachweis zu führen, dass dieses Universalvehikel dem Ende seiner Entwicklung näher rückt. Sie verweisen u. a. darauf, dass das Grundmuster automobiler Entwicklung "schneller, stärker, schwerer, teurer" dort ad absurdum geführt wird, wo das vermeintliche Plus an Sicherheit durch erhöhte Motorleistung oft mehr als kompensiert wird. Die Tatsache, dass 98 (!) Prozent aller Fahrten nicht länger als fünfzig Kilometer sind, wachsendes Umweltbewusstsein und die sattsam bekannten Einschränkungen des Fahrvermögens im öffentlich Raum - vom Vergnügen ganz zu schweigen - werden als weitere Argumente dafür ins Treffen geführt, dass sich die Automobilhersteller zu Mobilitätsanbietern wandeln müssen, um auch in Zukunft zu bestehen.

Im Spektrum möglicher Alternativen favorisieren die Autoren die solare Variante und sehen hier bereits deutliche strategische und technologische Vorteile für die Konkurrenz in Japan und den USA. In EU-Europa droht man auf Dauer durch die „Politikverflechtungsfalle" und das Fehlen längerfristig verbindlicher Standards um gute Marktchancen gebracht zu werden.

WSp.

Canzler, Weert; Knie, Andreas: Das Ende des Automobils. Fakten und Trends zum Umbau der Automobilgesellschaft. Mit einem Nachwort Ulrich Steger.

Heidelberg: Müller; 1994. 144S., sFr 30,- / ÖS 234,-