Angesagt ist einmal mehr die Abkehr von bisherigen Verhaltensmustern nicht nur im Hinblick auf den ökonomischen Nutzen, sondern auch hinsichtlich der Primärfunktion, "Mobilität für Personen und Waren zu schaffen". Zunehmend rücken die Folgen im Bereich der Ökosysteme, des sozialen Zusammenlebens und der generativen Wirkungen in den Blickpunkt: Für einen entsprechend konzipierten Stadtverkehr der Zukunft liefert der Band eine beachtenswerte Zusammenstellung von notwendigen Maßnahmen und möglichen Perspektiven.

Nach Meinung der Herausgeber gibt es v.a. vier Problemlösungsstrategien: Verkehrsvermeidung (durch neue räumliche Strukturen), Verkehrsverminderung durch Telekommunikation, Verlagerung auf umweltverträglichere Transportmittel und schließlich Optimierung durch emissionsarme und energiesparende Fahrzeuge. In seiner Einführung nennt Rolf Kreibich vom IZT Berlin Fakten zur Ist-Situation: In Deutschland sind die Pkw-Abstellflächen bereits größer als die Grundflächen der Wohngebäude. In den Ballungsgebieten erwartet er bis zum Jahr 2000 Zuwachsraten von 30 bis 40 %, die Verkehrsleistung des motorisierten Individualverkehrs soll sich von heute jährlich 9,1 Mrd. auf 18,5 Mrd. Personenkilometer im Jahr 2010 verdoppeln. Kreibich plädiert auch in diesem Sektor für das Prinzip der Nachhaltigkeit, das auf die quantitative und qualitative Erhaltung bzw. Wiederherstellung der natürlichen Ressourcen abzielt.

Die Reihe der genannten Beispiele zeigt jedenfalls, dass sich in allen Bereichen einiges tut. Anhand eines geplanten Berliner Modells beschreibt Lutz Wicke, Staatssekretär für Stadtentwicklung und Umweltschutz, erste Schritte zur Erhebung einer Nahverkehrsabgabe und stufenweisen Einführung strenger Abgasregelungen. Der Stadtbaudirektor von Freiburg, Norbert Göbel, stellt das dort praktizierte umweltorientierte Gesamtverkehrskonzept (Tempo-30-Regelung in fast allen Wohnquartieren, Radwegausbau) vor und Detlef Frank schildert das BMW-City-Konzept für München. Weiter werden Güterverkehrsstrategien bei der Kaufhauskette Hertie, das Forschungsprojekt LANUF (Einsatz von lärmarmen Nutzfahrzeugen in Städten), das Car-Sharing-Projekt STATTAUTO und eine Reihe von umweltfreundlichen Fahrzeugkonzepten (bei MAN und VW) vorgestellt. Wie eingangs betont, scheint bei allen Problemlösungskonzepten neben veränderten Lebensstilen und Verhaltensweisen eine Umkehrung der Reihung notwendiger Maßnahmen unabdingbar: verkehrsvermeidende Strategien vor technischen Varianten. 

A.A. 

Die Mobilität von Morgen. Umwelt- und Verkehrsentlastung in den Städten. Hrsg. v. Siegfried Bebrendt ... Weinheim (u. e.): Beltz, 7994. 304 S. (ZukunftsStudien; 12) DM 48,- / sFr 44,20/ ÖS 375,-