Das hier vorgestellte Konzept einer ökologischen Wirtschaftspolitik basiert auf den Ideen von Friedrich Schmidt-Bleek, der das Konzept einer Reduktion des Ressourcenverbrauchs der Industrieländer im Verlauf der nächsten 50 Jahre um den" Faktor 10" entwickelt hat. Seine Kernthese lautet: "Ein Zehntel muß den Reichen reichen, und der ganzen Welt die Hälfte. " An dieser Stelle geht es aber in erster Linie nicht um eine Vertiefung dieses Konzepts, sondern um die sozioökonomische Umsetzbarkeit einer Dematerialisierung. Dabei steht die Frage nach der" wirtschaftlichen und sozialen Erreichbarkeit ökologisch begründeter Forderungen sowie von Barrieren der Umsetzung, die tief in unserer Gesellschaft verankert sind" im Mittelpunkt des Interesses. Die Umweltökonomen Friedrich Hinterberger, Fred Luks und Marcus Stewen stellen zunächst verschiedene wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Ansätze (u. a. N. Luhmanns Theorie autopoietischer sozialer Systeme, U. Becks Hoffnung auf die "Erfindung des Politischen", neoklassische Umweltökonomik) vor, die zur Lösung des Dilemmas der Umweltpolitik zwischen Ökodiktatur und Umweltkatastrophe geeignet scheinen. Alle bisherigen Konzepte zur Lösung des Problems scheinen den Autoren nicht ausreichend. Sie stellen sich demgegenüber einen methodischen Pluralismus vor, der "einerseits in einer langfristigen Perspektive eine ökologische Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaftsweise gewährleistet, andererseits aber auch der Komplexität der sozioökonomischen Systeme Rechnung trägt". Skizziert werden "ökologische Leitbilder" im Sinne einer Dematerialisierung und neuer Wohlstandsmodelle (Technik allein reicht nicht aus) sowie "ökologische Leitplanken", verstanden als Ordnungsrahmen für den Umgang mit ökologisch-ökonomischer Komplexität. Sie fordern ein verbindliches Set von Regeln, ein Zuviel wäre Diktatur, ein Zuwenig führe in die ökologische Katastrophe. Dieser vorgeschlagene "Öko-Instrumentenmix" beinhaltet die Verbreitung ökologisch relevanter Informationen ebenso wie eine Umgestaltung des Steuer- und Subventionssystems. Die Autoren glauben, daß eine ökologische Wirtschaftspolitik langfristig mehr Freiräume bieten wird als eine Strategie, "die immer neue Umweltprobleme mit immer neuen Vorschriften zu ,beheben' versucht". A. A.

Hinterberger, Friedrich; Luks, Fred; Stewen, Marcus: Ökologische Wirtschaftspolitik. Zwischen Ökodiktatur und Umweltkatastrophe. Berlin (u.a.): Birkhäuser, 1996. 342 S. (Wuppertal Paperbacks)