Der Autor geht der Frage nach, ob und wie man die künstlerischen Ausdrucksmittel in den Dienst einer psychotherapeutischen Behandlung und der Therapie im allgemeinen stellen kann. In diesem Sinn bietet er eine Einführung in die verschiedenen Methoden der Kunsttherapie sowie deren theoretische Grundlagen.

In der Tradition jener Literatur, die an die Selbstheilungskräfte des Menschen appelliert und an die verborgenen menschlichen Potentiale erinnert, geht Muret davon aus, daß Kunst heilen kann. Dies ist allerdings keine neue Erkenntnis. Die Menschen haben immer schon getanzt, gesungen, gemalt und Theater gespielt, um Langeweile und Traurigkeit zu vertreiben, aber auch, um verschiedenste Krankheiten zu heilen und Gewalt und Wahnsinn zu bändigen. Besonders dem Theater werden diese Fähigkeiten zugeschrieben. Aber auch die Musik nimmt einen wichtigen Platz unter den therapeutischen Möglichkeiten ein. Die magische Kraft der Musik ist seit der Urgeschichte bekannt. Eine neuere Strömung ist die Musiktherapie nach dem 1. Weltkrieg im Zusammenhang mit der Beschäftigungstherapie. Besondere physiologische Wirkung auf die Verbesserung der Atmung wird dem Gesang zugeschrieben. Psychologisch wirkt er, indem er Selbstvertrauen und Ich-Bewußtsein stärkt. Im Chor kommt zudem das soziale Moment, das Empfinden der Teilnahme an einem gemeinsamen Tun, zur Geltung.

Muret steuert nicht nur interessante Exkurse zur Geschichte der Kunsttherapie in ihren verschiedensten Ausprägungen bei, sondern beschreibt, ausgehend von der Funktion der Kunst, die Mechanismen des Schöpferischen. Als Beispiel dafür steht Morenos Psychodrama und seine "Heilung durch Handlung". Es sollten nicht in erster Linie Störungen ausradiert, sondern Spontaneität und Kreativität bei den Teilnehmern geweckt werden.

Andere Therapieformen wie Malerei, Tanz oder Foto/Video werden ebenfalls aus einer historischen Perspektiven und dann aus der Sicht ihrer therapeutischen Bedeutung erläutert.

Muret gelingt es eindrucksvoll, die schöpferischen Möglichkeiten der Kunst offenzulegen, die als Quelle der Gesundheit in jedem von uns vorhanden sind. Allein die Besinnung auf uralte Traditionen auch im westlichen Kulturkreis kann dazu beitragen: mehr noch als die vielfach zusammenhanglose Ubernahme uns zum Teil nicht nachvollziehbarer Praktiken aus Afrika und Asien.

Muret, Marc: Gesund durch Kreativität. Malen, modellieren, tanzen, musizieren, filmen und Theater spielen als Therapie. Wien: Orac, 1988. 267 S. DM 29,80 / sFr 25,20 / öS 232,-