"Jeder Deutsche ,verbraucht' derzeit 70 Tonnen feste Natur jährlich." Mit dieser nüchternen Feststellung macht Friedrich Schmidt-Bleek, der Begründer des ”Dematerialisierungsansatzes". im Geleitwort dieses 20 Beiträge enthaltenden Bandes die Notwendigkeit einer Umsteuerung unserer Wirtschaftsweise sowie die Größe der Herausforderung deutlich. Das Spektrum der aus einem Workshop am Wuppertal Institut entstandenen Aufsätze ist breit: es reicht von der Darstellung der Stoffstromökonomie, über die Suche nach einem neuen Paradigma in der Ökonomie (unter kritischer Würdigung der neoklassischen Ansätze), über neue "stoffpolitische" Analyse- und Strategieansätze bis hin zur Diskussion einzelner Instrumente zur Durchsetzung des ökologischen Strukturwandels. Gemeinsam ist den Ausführungen die Überzeugung, daß sich die am Ende der Produktionsketten ansetzende, output-orientierte Umweltpolitik als zu wenig effizient erwiesen hat und durch eine an den Stoff- und Energieeinsätzen (inputs) ansetzende Strategie zu ersetzen ist. So werden etwa die Ausmaße und Trends des Stoffverbrauchs der deutschen Wirtschaft dargelegt und mögliche Maßnahmen zur Erhöhung der Ressourcenproduktivität (z. B. durch eine Materialinputsteuer, bei allen Problemen der Datenunsicherheit) vorgeschlagen. Mehrere Beiträge befassen sich mit der Energiebesteuerung: angesichts der Schwierigkeit deren politischer Umsetzung sind die Darstellung der bereits realisierten Konzepte in Dänemark und den Niederlanden interessant. Bemerkenswert nicht nur aufgrund der Ergebnisse, sondern auch in Bezug auf die Berechnungsmethoden ist ein Beitrag über die "Schattensubventionen " im motorisierten Individualverkehr, die von Abschreibungsmöglichkeiten für Pkw über die Straßenerhaltung bis zur Bereitstellung von Gratisparkflächen reichen. Ob die Beschränkung des Kfz-Verkehrs durch die Vergabe von Zertifikaten - gekoppelt an ein jedem Bürger zuerkanntes Emissionspotential - umsetzbar wäre, bleibt fraglich. M. E. scheint die kostengerechte Besteuerung des Treibstoffs oder das (hier übrigens nicht erörterte Roadpricing die einfachere Lösung zu sein). Neu und diskussionswürdig ist der Vorschlag, die ökologische Steuerung an zwischen Staat und Markt sich etablierenden "intermediären Institutionen" zu übertragen (in Analogie zu den Sozialversicherungen und Kammern im Sozialbereich). Als den insbesondere an die" Fachwelt" gerichteten Beiträgen übergeordnet lassen sich die von Joachim H. Spangenberg vorgeschlagenen "Indikatoren für Zukunftsfähigkeit" lesen, die dieser im Grad der Ressourcenproduktivität, im Maß der Transportintensität sowie in der Verteilung von Vermögen und Einkommen festmacht. Sie könnten zum neuen Maßstab ökologischen Wohlstands werden. H. H.

Neue Ansätze in der Umweltökonomie. Hrsg. v. Jörg Köhn ... Marburg: Metropolis, 1996.527 S.