Die fünf Beiträge, die das Buch enthält, sind in den letzten drei Jahren aus je verschiedenen Anlässen entstanden. Gemeinsam ist ihnen die Anstrengung, auf Verengungen und Sackgassen in der zeitgenössischen Gesellschaftstheorie hinzuweisen und entsprechende Gegenvorschläge zu unterbreiten. Ein Gipfel, den die Argumentation dabei immer wieder erreicht, ist folgender Gedanke: die gängigen "Selbstbeschreibungen" der modernen Gesellschaft greifen mehrheitlich deshalb zu kurz, weil sie es verabsäumen, „Semantiken" des Nichtwissens, des Risikos, der Paradoxie zu entwickeln. Die Aufgabe, die sich damit stellt, ist zwar nicht neu. Ihre Bewältigung kann aber deshalb nicht einfach an vermeintlich bloß verschüttetes "gutes Altes" anknüpfen: In der Tradition hatte man das als Religion bezeichnet. Aber wenn dieser Begriff fortgeführt werden soll, dann müssten entsprechende Erwartungen ausgewechselt werden. Dann ginge es nicht mehr um ein Potential für Sicherheit, sondern um ein Potential für Unsicherheit. Und nicht um Bindung, sondern um Freiheit: um den Ort der Willkür, die nirgendwo einen Platz findet, um Imagination." An von Luhmann ausgelegten Steinen des Anstoßes arbeiten sich die verschiedensten Disziplinen schon seit geraumer Zeit ab. Die mit Zukünften befassten unter ihnen kommen insbesondere im dritten Beitrag, der "Beschreibung der Zukunft" übertitelt ist, auf ihre - sicher nicht einfache Rechnung. „Luhmann-Anhänger" finden in dem Buch keinen schlechten Einstieg, weil die Texte insgesamt eher knapp und konzis gehalten sind, was wohl damit zusammenhängt, dass sie, mit einer Ausnahme, auf Vorträgen beruhen. K. M.

Luhmann, Niklas: Beobachtungen der Moderne. Opladen: Westdt. Verl., 1992. 220 S., DM 23,80 / sFr 20,20 / öS 185,60