Frank Zappa hielt Dummheit für den Grundbaustoff des Universums. Nach der Lektüre von Goldners verdienstvollem Buch ist man versucht, dem amerikanischen Chefzyniker Recht zu geben. „Die Psycho-Szene“ basiert auf der 1997 erschienenen Studie „Psychotherapien zwischen Seriosität und Scharlatanerie“, die vom Autor gründlich überarbeitet, aktualisiert und um mehrere Kapitel erweitert wurde. Das Werk vermittelt einen umfassenden Überblick über den seit Jahren boomenden Esoterik-, Therapie- und Lebenshilfe-Markt. In rund 150 Kapiteln werden über 2000 Verfahren, Begriffe und Personen vorgestellt und kritisch unter die Lupe genommen. Ob Anthroposophie, Astrologie oder Bach-Blüten-Therapie, Channeling, Edelsteintherapie, Graphologie, Positives Denken, Rebirthing oder Tantra   Goldners Analysen treffen stets auf den Punkt und fördern die Ungereimtheiten der jeweiligen Ansätze deutlich zutage.

Goldner, der als Leiter einer Beratungseinrichtung für Therapiegeschädigte immer wieder mit den Folgeschäden unseriöser Therapieangebote zu kämpfen hat, untersucht die wundersame Welt der Lebensberater und selbst ernannten Therapeuten mit fundiertem Wissen und gespitzter Feder. Trotz des ungeheuren Informationsreichtums ist das Buch mit Genuss zu lesen, was nicht zuletzt auf den engagierten, bissig-ironischen, nie in billige Polemik abgleitenden Stil des Verfassers zurückzuführen ist.

Ein besonderer Pluspunkt des Buches besteht darin, dass es neben konkreten Hilfen für Betroffene auch die vielfältigen Querverbindungen zwischen den einzelnen esoterischen Strömungen aufzeigt und die ideologischen Hintergründe des Esoterik-Marktes aufdeckt. In diesem Zusammenhang erweist sich „Die Psycho-Szene“ als ein eminent politisches Buch. Nach all dem, was Goldner über die „braune Aura“ esoterischer Heilslehren zusammengetragen hat, ist evident, dass es ein fataler Fehler wäre, „die Umtriebe der New-Age-Esoterik als harmlose Spinnereien abzutun“. In der Tat stellen „autoritär zugerichtete und esoterisch entmündigte Menschen ein höchst gefährliches Potential zur Herausbildung faschistischer Ideologien und Strukturen“ dar.

Auch wenn sich über manches Detail trefflich streiten ließe (was bei einem derart informationsreichen und engagiert geschriebenen Buch auch kaum anders zu erwarten ist): Colin Goldner hat mit diesem Buch en Grundlagenwerk vorgelegt, das in keiner gut sortierten Bibliothek fehlen sollte. Bleibt zu hoffen, dass das von Goldner bereitgestellte Gegengift zur „sanften Verblödung des New Age“ die erwünschte Wirkung zeigt. M. S.-S.

Goldner, Colin: Die Psycho-Szene. Aschaffenburg: Alibri, 2001. 642 S., DM 59,- / sFr 53,50 / öS 431,-