Dem aufklärerischen, rationalen Denken (Robert Jungks) verpflichtet, ist es uns selbstverständlich, esoterisch-spirituellen Zukunftsspekulationen mit einer gehörigen Portion Skepsis und kritischer Wachsamkeit zu begegnen. Positiv schlägt in diesem Zusammenhang ein Gespräch mit dem erstaunlich vielseitig beschlagenen Autodidakten Max Uray zu Buche. der sich als Verfasser eines zweibändigen Werkes über Biorhythmik. als Autor und Verleger biosophischer Schriften und nicht zuletzt auch als Vortragender einen Namen gemacht hat. In dem hier angezeigten Bändchen - es enthält zwei Vorträge und ist der bislang jüngste Band einer stattlichen Reihe - setzt sich Uray zunächst mit den in der Tat bedenkenswerten Folgen falscher (esoterischer) Programmierung auseinander: Würden beispielsweise alle Menschen unter dem Einfluß günstiger lunarer Strahlung an ein und demselben Tage den Friseur beehren. das Auto waschen (lassen) oder Bäume pfropfen, so wäre das Chaos perfekt. Die Einsicht des Autors, daß es nicht nur bequemer, sondern durchaus auch vernünftiger sei. dem "persönlichen Programm" zu vertrauen, sprich: im Wissen um die eigene Intelligenz kreativ zu sein, hat angesichts teils massenpsychotischen Wunderglaubens viel für sich. M. E. etwas weniger stringent und im Detail überzeugend, im Wesentlichen jedoch schlüssig, ist auch der zweite Text dieses Bandes. Probleme würden, so Uray, u. a. durch Zeit- und Energievergeudung, durch mangelnde Neutralität, durch Ausweichen und Verdrängen ebenso erzeugt wie durch Sprachlosigkeit. (falsche) Vorbilder und "inneres Debattieren". Um diesen Fallen zu entgehen. plädiert der Autor für "ein Leben im Hier und Jetzt" und die in wachsendem Selbstvertrauen gründende Annäherung an Freiheit und Immunität. Die zuvor erschienenen Bände der Reihe: Der individuelle Weg (1992), Der gemeinschaftliche Weg (1992), Der Weg aus der Illusion. Abenteuer Bewußtseins-Provolution, Durchbruch zur Wirklichkeit. Das Bewußtsein des Absurden, Aphorismen und Sentenzen (alle 1995). W. Sp.

Uray, Max: Vom falschen Zeitpunkt. Die Kunst, Probleme zu erzeugen. Maria Enzersdorf: Biosophia-Verl., 1996. 53 S. (Vom Chaos zum Kosmos; 9)