Dieser Sammelband dokumentiert ein Projekt im Rahmen des Sozialökonomischen Studiengangs an der Hochschule für Wirtschaft und Politik (Hamburg) in den Jahren 1996/97. Die Soziologin Doris Henning und die Rechtswissenschaftlerin Sibylle Rasch begleiteten Studierende beim Projekt „Veränderung gesellschaftlicher Zeitstrukturen und Geschlechterfrage”. Dabei stehen die Veränderungen der Zeitstrukturen aufgrund der Flexibilisierung der (Erwerbs-)Arbeitszeiten und deren Folgen – vielleicht positive – für die bisher diskriminierende Zeitstrukturierung für Frauen im Mittelpunkt.

Die neun Beiträge bringen vor allem Ergebnisse von qualitativen Befragungen, die einen guten Einblick liefern in die subjektiven Verarbeitungsformen des Umgangs mit Zeit.

Vier MitarbeiterInnen eines Betriebs, der ein flexibles Jahresarbeitszeitmodell und Gleitzeitregelung eingeführt hat, werden befragt. Dabei zeigt sich, daß Gleitzeit v. a. für die ArbeitnehmerInnen günstig ist, ein flexibles Zeitmodell hingegen nur dem Betrieb zugute kommt, da es die Vorteile der Gleitzeit phasenweise außer kraft setzt und damit für Beschäftigte, die Erwerbs- und Familienarbeitszeit koordinieren müssen, von Nachteil – und damit kontraproduktiv zur Verwirklichung der Gleichstellung der Geschlechter ist. Auch Telearbeit wird für Frauen als zwiespältig angesehen, obwohl diese für Frauen ohne Kinder insofern Vorteile bietet, als Fahrtzeiten eingespart und somit Zeit gewonnen werden kann.

Drei arbeitslose männliche Jugendliche befragt Petra-Anna Hesse, wobei ihr Hauptanliegen dem Umgang der „Zeitsouveränität” von Jugendlichen gilt. Dabei zeigt sich, daß die Verlängerung der Adoleszenzphase und die Unplanbarkeit der Zukunft die gravierenden Probleme in bezug auf Zeit und Arbeitslosigkeit darstellen. Mit längerer Dauer der Arbeitslosigkeit wandelt sich die von der Hoffnung auf Arbeit getragene positive Zukunftseinstellung in eine depressive Sicht mit entsprechenden psychosozialen Auswirkungen. Aufgrund wachsender Jugendarbeitslosigkeit sei - so Hesses Resümee - die Gesellschaft insgesamt aufgefordert, den Jugendlichen eine Zukunftsperspektive zu verschaffen.

Insgesamt interessante, gut lesbare Beiträge, die in das Thema Zeit und Umgang damit einführen, und: auch eine Fundgrube für Literatur zum Thema. S. A.

Zeitbrüche. Neue Zeitmuster für Frauen und Männer. Hrsg. v. Doris Henning ... Hamburg: VSA-Verl., 1998. 142 S., DM / sFr 24,80 / öS 181,-