Luna Al-Mousli

Klatschen reicht nicht!

Online Special
Klatschen reicht nicht!

Die Journalistin und Autorin Solmaz Khorsand bringt in ihrem Vorwort das Anliegen des Buches Klatschen reicht nicht! Systemheld*innen im Portrait auf den Punkt, indem sie auf Umbrüche des gesellschaftlichen Koordinatensystems seit der Pandemie verweist. Diejenigen, die arbeiten müssen während andere dazu angehalten werden, zum eigenen Schutz zu Hause zu bleiben, repräsentieren die neue Elite. Die vermeintliche eigene Leistung als Legitimation für Lohn- und Anerkennungsungleichheiten werde zwar nach wie vor von Politik und Gesellschaft hochgehalten, doch diese „meritokratische Selfmade-Illusion“ (S. 8) gerät mehr und mehr ins Wanken. Ein Beispiel dafür ist Marlene Engelhorn, eine Millionenerbin, die 90 Prozent davon teilen will, um sich eben „nicht auf ihren schieren Geburtenglück“ (S. 9) auszuruhen. Die von der Autorin und Grafikdesignerin Luna Al-Mousli gesammelten Systemheld*innen führen Leser:innen Geschichte für Geschichte vor Augen, wo wir die wahre Elite der Gesellschaft finden: In zu oft schlecht entlohnten, körperlich und auch psychisch auslaugenden Berufen.

Darunter befinden sich Menschen aus diversen Branchen und mit bunt gemischten Biografien, wie jene des 21-jährigen Mohammads, der neben seiner Lehre zum Zerspanungstechniker freiwilliger Sanitäter beim Roten Kreuz engagiert ist. Vor fünf Jahren kam der junge Mann alleine aus Afghanistan nach Salzburg. Seine Erfahrungen in Afghanistan waren ausschlaggebend dafür, neben seiner Lehre noch ein Ehrenamt zu übernehmen. Denn zu oft fehlte es in Afghanistan nach Angriffen an ausgebildeten Menschen, die Verletzten helfen. Mohammads Furcht, mitten in einer Pandemie in einem gesundheitlichen Beruf zu arbeiten, wie auch die oftmals auftretenden Vorbehalte von Patient:innen ihm gegenüber bereiten ihm weniger Sorgen als die Angst davor, abgeschoben zu werden. Auch für Maria und ihre Kolleginnen im Frauenhaus stellte die Zeit der Gesundheitskrise eine Zäsur dar. Die 58-jährige erzählt im Gespräch vom anfänglichen Gefühl, mit dem Schutz von Kolleginnen und Bewohnerinnnen alleine zu sein. Neben wenig konkreten Anordnungen und ausschließlichen Telefondiagnosen war es auch der Anstieg an Gewaltfällen, welche die Arbeit im Frauenhaus weiter erschwerten.

Neben weiteren Einblicken in den Alltag von Postbot:innen, Krankenpfleger:innen, Lagerarbeiter:innen (Hilfs-)Lehrer:innen und vielen mehr überzeugt das Buch mit ergänzenden Kommentaren von Expert:innen und statistischen Untermauerungen der Fallgeschichten.