Während die Vertreter der Freihandelstheorie davon ausgehen, daß letztlich Nord und Süd von der Globalisierung und Liberalisierung der Wirtschaft profitieren werden, sieht die Realität zumindest bislang noch anders aus: Die Wohlstandsschere zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern  hat sich in den letzten 30 Jahren weiter geöffnet; auch innerhalb der Länder des Südens (und zuletzt auch wieder des Nordens) nehmen die Polarisierungstendenzen zu (in Brasilien etwa konsumieren die wohlhabendsten 20 Porzent der Bevölkerung 32 mal so viel wie die ärmsten 20 Prozent).

Neben dem weiterhin bestehenden Protektionismus zugunsten wichtiger Industriesektoren des Nordens, der Verschuldungsfalle sowie der „wilden” Globalisierung durch sogenannte freie Exportproduktionszonen, in denen die internationalen Konzerne nicht einmal die niedrigsten Sozial- und Umweltstandards erfüllen müssen, behindern nach wie vor die problematischen Handelsbeziehungen im Agrarbereich eine sinnvolle, auf eigenständige Wirtschaftsstrukturen basierende Entwicklung in vielen Ländern des Südens. Was früher bezeichnenderweise mit Kolonialwaren benannt wurde, heißt heute „cash crops”. Der ständige Druck von Geldgebern im Norden zwingt zur zunehmenden Ausfuhr von Agrarprodukten, was die Nahrungsmittel-Unsicherheit fördert und zur ökologischen Ausbeutung der Böden in Monokulturen führt. Für einen Liter Orangensaft aus Brasilien etwa werden 1 Quadratmeter fruchtbaren Bodens und 22 Liter Wasser verbraucht. Überschußproduktion, Marktmonopolisierung und Spekulation an den Warenbörsen verhindern zudem angemessene Preise für die Kleinproduzenten, kapitalintensive Anbaumethoden zerstören kleinbäuerliche Strukturen und fördern die Landflucht.

Um diesen Teufelskreisen entgegenzuwirken, wurden in den 60er Jahren in Großbritannien und den Niederanden die ersten Fair Trade Organisationen gegründet. Andere folgten, heute existieren allein in der EU in neun Ländern solche alternative Handelsunternehmen, die den Bauern in den Ländern des Südens faire Preise garantieren. Seit einigen Jahren gibt es auch ein Fair-Trade-Gütesiegel, das von der European Fair Trade Association vergeben wird. Im vorliegenden Jahrbuch geben MitarbeiterInnen dieser Organisationen „Porträts” der neun wichtigsten  Transfair-Produkte: Zu Kaffee, Tee, Kakao, Zucker, Bananen, Reis, Leder, Tropenholz sowie Textilien erfährt man/frau Hintergründiges über Weltmarktentwicklung, Produktionsbedingungen und Haupter­zeugerländer sowie insbesondere natürlich zu den jeweiligen Fair Trade-Projekten.

Der Marktanteil der fair gehandelten Produkte ist nach wie vor äußerst gering, die einzelnen Projekte sehen sich aber als Vorbild und Vorreiter für eine gerechtere Ordnung der internationalen Handelsstrukturen. Das vorliegende Jahrbuch ist eine nützliche Informationsquelle hierfür. H. H.

Fair Trade Jahrbuch 1998 - 2000. Hrsg. v.  European Fair Trade Association (EFTA). Maastricht: Eigenverl. 1998. 158 S (Zu beziehen bei Eine-Welt-Läden und  EZA-Organisationen)