Gerlinde Ortner präsentiert in ihrem „Märchenbuch" eine Symbiose von Problemdarstellunqen, zukunftsorientierten Lösungsvorschlägen und Primärtexten. Angesprochen sind alltägliche Konflikte zwischen Kindern und Eltern, z.B. übermäßiges Fernsehen, Aggressionen und Ausländer in Schule und Nachbarschaft. Grenzsituationen werden thematisiert, etwa Krankenhausaufenthalt und Scheidung. Die "Märchen" erzählen AIItagsgeschichten, u.a. von den notorischen Fernsehkonsumenten Petra und Jürgen. Sie begeben sich in völlige Isolation. Ein irreales Moment bricht ein und macht die negativen Auswirkungen für alle erlebbar: Die beiden können nur noch in Form von Werbetexten kommunizieren. Bemühungen ihrer Mitschüler, Lehrer und Eltern befreien sie von ihrem Leiden. Diese Mischung von Alltäglichkeiten und Irrealem strukturieren die "Märchen".

Der therapeutisch-beratende Teil weist zentral darauf hin, dass der Erziehende stets zwischen" Sein" und" Verhalten" des Kindes zu unterscheiden habe. Zeichnungen von und Gespräche mit Kindern sollen das „Fehlverhalten" und die zugrundeliegende Irritation ausloten, schrittweise, behutsam, positiv motivierend, die Kinder in ihren Problemen ernst nehmend können nach Ansicht der Autorin die "entglittenen" Situationen aufgefangen werden. Damit bekämpfen die Eltern nicht allein Symptome, sondern sie entwickeln bzw. stärken das Selbstbewusstsein des Kindes, steigern deren Akzeptanz für Randgruppen, vermitteln den hohen Wert von Gefühlen und den Umgang mit ihnen, Damit korrigieren die Erziehenden nicht eine punktuelle Schwäche, sondern befähigen ihre Sprösslinge, auch in Zukunft mit diesen und ähnlichen Situationen erfolgreich umzugehen.

S.Sch.

Ortner, Gerlinde: Neue Märchen, die den Kindern helfen. Geschichten über Streit. Angst und Unsicherheit und was die Eltern darüber wissen sollten. Für Kinder von 6-10 Jahren.

Wien (u. e.): Orac (u. e.) 1994. 1765., DM 29,80/ sFr 27,40/ ÖS 233,-