Auf dem Weg zu einer „neuen Politik" will der Autor den Gegensatz zwischen Ökonomie und Ökologie aufheben. Aspekte der Boden- und Raumnutzung sowie Boden- und Raumschutz sind Ausgangspunkt der Überlegungen. Am Beispiel "Wald als Überlebensmodell" soll gezeigt werden, wie die Symbiose von Wirtschaft und Umwelt besser funktionieren könnte. Die „Mehrzweckforstwirtschaft" reicht vom Verzicht auf Chemikalien bis zur finanziellen Abgeltung für die Ausweisung von Naturschutzgebieten an Waldbesitzer. Ihr Kern aber ist die „Nachhaltigkeit", d.h.: WaIdbewirtschaftung, die es auch zukünftigen Generationen ermöglicht, denselben Nutzen aus dem Wald zu ziehen wie die gegenwärtige Generation. Von absoluter Optimierung soll dabei als "Ausdruck von Rücksichtnahme und Toleranz" abgesehen werden, wobei immer noch von einer ökonomischen Nutzung von ca. 90% gesprochen wird! Das Instrumentarium zur allgemeinen Durchsetzung dieses Modells liegt insbesondere in Flächenwidmung und Raumplanung. Das Bauen wird als sozial unabdingbare „Freiraumbelastung" erkannt, wobei die Wiedereinführung einer" Baulückensteuer" die" tatsächliche Aktivierung freien Baugrundes" ermöglichen soll. Dieses Konzept könnte nach Ansicht des Verfassers, konsequent verwendet im Verein mit einer klaren Prioritätenliste, einen Beitrag zur Konfliktminimierung leisten, die Akzeptanz erhöhen und die politische Durchsetzbarkeit erleichtern. Daß die Beziehungen zwischen Wirtschaft und Umwelt nicht allein über den Faktor Raum zu lösen sind gesteht auch Nießlein ein und skizziert in knapper Form die "Vielzahl von Wechselwirkungen zu sozialen, kulturellen und sonstigen gesellschaftspolitischen Problemfeldern". Der Gedanke, durch "qualitatives" Wirtschaftswachstum den vermeintlichen Verzicht zu optimieren, ist nicht neu. Bejaht man aber die Grenzen für quantitatives Wachstum, so werden diese in einem begrenzten System konsequenterweise wohl auch für Qualität zu gelten haben. M. T.

Nießlein, Erwin: Naturschutz und Industriegesellschaft. Vorschläge für eine neue Politik. Baden-Baden: Nomos-Verfagsges., 1992.220 S., DM 48,-/ sFr 40,70/ öS 374,40