Basel 1999: Die sonnige Stadt am Rheinknie - vor wenigen Jahren noch von Umweltsorgen geplagte Metropole der chemo-pharmazeutischen Großindustrie; ist zum Vorreiter ökologisch orientierten Lebens geworden. Mit Staunen erfahren die zu Studien- und Erholungszwecken angereisten Gäste, die von "Ökopädagogen" während einer Rundfahrt über die jüngste Geschichte der Stadt unterrichtet werden, was alles geschah, seit an jenem ersten November 1986 in einem Lager des einstigen Chemie-Multis Sandoz ein Brand ausbrach, der die historische Wende einleitete und zu der heute herrschenden Kultur des Langsamen hinführte.

Im Basel der Jahrtausendwende nehmen sich Autos wie Raritäten aus. Fußgänger, Solarmobile und Fahrräder beherrschen das von Bäumen, Bänken, Pflanzen und Lebensfreude geprägte Stadtbild. Tempo dreißig ist seit Jahren eine Selbstverständlichkeit und "elektronische Stadttore" lassen die wenigen Fahrzeuge mit altertümlichen Verbrennungsmotoren nur bei unbedenklichen Schadstoffwerten und gebührenpflichtig passieren. Erwachsene, Jugendliche, aber auch Kinder diskutieren, planen und entscheiden das Leben in ihren Quartieren, das sich in vielem verändert hat: Nicht ohne Widerstände und erst unter massivem Protest der Schüler, deren Zukunft auf dem Spiel stand, war die neue Unternehmensphilosophie bei führenden Konzernen durchzusetzen.

Hoffmann La Roche und Sandoz sind zu Exponenten schadstofffreier Chemie bzw. ganzheitlicher Gesundheitsvorsorge geworden (nachdem das Sozialversicherungssystem nicht mehr funktionierte). Ciba-Geigy ist seit 1991 führend in der Solartechnologie tätig. Was sich sonst noch knapp vor der Jahrtausendwende an sozialen und gesellschaftlichen Veränderungen in Basel tat? Die umfassende Chronologie eines stadtpolitischen Wandels, der sich am deutlichsten als Rückkehr der Demokratie zum Volk charakterisieren läßt, gibt darüber im einzelnen Aufschluß.

Die Vorschläge und Perspektiven zur Verwirklichung einer ökologisch orientierten, offenen Stadtkultur sind nicht von einem Tag auf den anderen zu verwirklichen. Wiener zeigt, wie es in einer humanen lebenswerten Stadt zugehen könnte. Ein Modell für ein besseres Morgen, in Basel und anderswo.

Wiener, Daniel: Modell Basel. Die Geschichte der Stadt und Region Basel von 1987 bis 1999. Basel: Ökomedia Verl., 1987. 191 S.