Unter den zahlreichen Veröffentlichungen zu Gewalt bei Jugendlichen, die zumal auf dem Zeitschriftenmarkt oft reichlich oberflächlich ausfallen, sticht dieses Buch äußerst positiv hervor. Die Autoren - sie Psychologin, er Erziehungswissenschaftler - begnügen sich nicht mit der Darstellung von Gewalt in ihren verschiedenen Formen, sie fragen auch nach Gründen und bieten Lösungsvorschläge an. Dabei gehen sie über den im Titel angedeuteten Bereich hinaus und behandeln auch Gewalt in der Familie, im Freizeitbereich, in den Medien sowie Formen der politischen und rassistischen Gewalt.

Auf eine anhand zahlreicher Fallbeispiele durchgeführte Analyse folgen dabei jeweils Erörterungen über sowohl individuelle als auch strukturelle Ursachen und eine Reihe von Anregungen zur Konfliktbewältigung, die ihre psychologische und therapeutische Fundierung nicht verleugnen, aber auch die gesellschaftliche Bedingtheit reflektieren. Ein abschließendes Kapitel gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewalttheorien und erweitert den Blick auf Gewalt als gesamtgesellschaftliches Problem. Zusammengefasst sehen die Autoren in Aggressionen unter Menschen immer Signale für Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten; Gegenmaßnahmen müssen daher strukturell dort - etwa bei der Verteilungsproblematik - ansetzen, während es gleichzeitig individuell darum geht. die Fähigkeiten zu Kommunikation und fairer Konfliktaustragung, aber auch zur Verarbeitung von Enttäuschungen zu stärken. Ein solides und kompetentes Buch, das theoretische Reflexion und praktische Handlungsanleitung optimal verbindet, sich dem komplexen Ineinander von individuellen und sozialen Gewaltursachen stellt und durchaus Flagge zeigt, wo es um gesellschaftlichen Reformbedarf geht.

W R.

Bründel, Heidrun; Hurrelmann, Klaus: Gewalt macht Schule. Wie gehen wir mit aggressiven Kindern um? München: Droemer-Knaur, 1994.3165., / DM 28,-/sFr 29,-/ÖS 219