Mit seinen Plakaten und Postkarten hat Klaus Staeck den traditionellen Kunstrahmen verlassen. Seit dem Ende der 60er Jahre vermittelt er gesellschaftspolitische Inhalte, die Diskussion "Kunst oder Politik" bekam eine neue Basis. Angestrebt wird eine Massenkunst, an der jeder teilhaben kann. Kunst ist für Staeck "eine Dimension von Freiheit und Offenheit: um wichtige gesellschaftliche Probleme darstellen zu können, die sonst nur schwer zur Sprache zu bringen sind und von denen ich glaube, daß es nicht nur meine eigenen sind". Um dies zu erreichen, bedient er sich der Fotomontagetechnik in Verbindung mit Text.

Die satirische Verfremdung und Überzeichnung erzeugt Neugierde. Staeck folgt damit einer bekannten Tradition aus den 30er Jahren. Damals wurde diese Montagetechnik im Dokumentarfilm (Eisenstein), Theater (Brecht) und der Reportage (Kisch) als Mittel verwendet, Gewohntes wieder sichtbar zu machen, Aufmerksamkeit zu wecken und den Rezipienten wachzurütteln. Es ist zweifellos ein Verdienst des Künstlers, dieses Genre der politischen Aussage weiterentwickelt zu haben. Die enorme Wirkkraft seiner Massenkunst belegt auch die Größenordnung der Gesamtauflage von mehr als 12 Millionen. Viele seiner Arbeiten lassen das vordergründig provozierte Lachen gefrieren.

Einige Beispiele können das verdeutlichen. Im Bundestagswahlkampf 1972 waren es zwei Plakataktionen: Die Reichen müssen noch reicher werden - Wählt christdemokratisch. Das zweite Plakat zeigt eine Luxusvilla mit dem Text: Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen. Viele Arbeiten haben unsere bedrohte Umwelt zum Thema: Ein bekannter Dichter setzt seinen skelettierten Fuß in den Main bei Frankfurt, darunter steht: 225 Jahre Goethe, 111 Jahre Farbwerke Hoechst. Staeck zeigt uns die heute vorfindbaren Naturidyllen schonungslos: Manets "Frühstück im Freien" mit einem Luxusauto, einer Kühltasche und einigen Cola-Dosen unter der Devise: Zurück zur Natur.

Staeck, Klaus: Plakate. Göttingen: Steidl, 1988. 159 S. DM 18,-/sfr 15,30/öS 140,40