Der bekannte Wiener Soziologe legt hier eine umfassende, über den engeren Bereich der Soziologie weit hinausgehende Studie über das Altern vor. Einen umfangreichen Teil des Buchs widmet Rosenmayr der Stellung der Alten im Kulturvergleich - von den prähistorischen Stammeskulturen über die wesentlichen europäischen und außereuropäischen Hochkulturen bis zu unserer Gegenwart. Ein Abschnitt über den heutigen Stand der Altersforschung in medizinischer, biologischer und soziologischer Sicht folgt. Im Detail geht der Autor dabei auf die partnerschaftlichen Beziehungen des alten Menschen ein. Ein weiterer Abschnitt ist der Pflege alter Menschen - sowohl aus der Perspektive der Betroffenen als des geriatrischen Betreuers gewidmet. Zum Schluss bringt Rosenmayr den Entwurf einer Gerontophilosophie, in der er für eine Neubewertung des Alters plädiert. Die "Verjüngung" gibt es nicht, wohl aber eine stete Erneuerung, eine Mobilisierung der spezifischen Kräfte des Alters, sie bedarf allerdings der Anstrengung, Sammlung und Absage an Überfluss und Vergeudung. So könnte das vorwiegend negative Bild des Alters in der Gesellschaft überwunden und die "späte Freiheit" zu neuem persönlichen wie gesellschaftlichem Sinn fruchtbar gemacht werden. Rosenmayr hat mit diesem Buch eine Arbeit vorgelegt, die es verdient, zu einem Standardwerk zu Anthologien bereiten ihren Gegenstand in der literarischen Annäherung naturgemäß in aller Breite und wohl auch Tiefe auf, zeigen das facettenreiche Spiel mit dem Thema ebenso wie die Gattungsvielfalt seiner Befund Verarbeitung. Der Herausgeber der vorliegenden Sammlung trifft bei "seinem" Thema auf ein grundsätzliches Problem - eine ausgeprägte wie traditionsreiche Ambivalenz: Die literarischen Zeugnisse sind einerseits gekennzeichnet und bestimmt von der Fremdheit dem Unvertrauten gegenüber und andererseits geprägt von dem Bemühen, dieses Fremde in den eigenen Verstehenshorizont einzugliedern. Das Feld der literarischen Dokumente ist naturgemäß ein weites und spannungsreiches, beinahe spannungsgeladenes. Maschinenlob wie Maschinenfurcht sind gleichermaßen vertreten. Wird hier vor der Maschine als Höllenspuk und Teufelswerk eindringlich gewarnt, so dort -beispielsweise in dem Gedicht von Anastasius Grün "Poesie des Dampfes" - Enthusiasmus für die Technik auf der Basis politisch-utopischer Überlegungen erkennbar. Schon über 160 Jahre dauert die Auseinandersetzung mit Fluch und Segen der Technik. So ist das Verhältnis von Mensch und Maschine beispielsweise Thema jeder ernstzunehmenden Sciencefiction-Literatur, hat das Eisenbahngedicht einen festen Platz im Literaturkanon eingenommen. "Einem jeden seine Taste, ... einem jeden seine Schwachstelle, an der die Segnungen der Zivilisation in ihn eindringen können." Also auch hier in "Störfall" von Christa Wolf - die Bewegung zwischen Lob und Furcht, Begeisterung und Phobie, Fortschrittspathos und Fortschrittskritik. Die "Maschinen" haben sich geändert: Zu Eisenbahn, Motorrad, Auto, Schiff und Flugzeug haben sich Computer und in einem Beitrag sogar ein Kyborg gesellt - die Ambivalenz jedoch ist geblieben. Diesem Bild der Technik-Literatur entspricht die Gattungsvielfalt: Sie reicht von Gedichten über Romane, dramatische Szenen bis hin zu Essay und Reportage. 

Rosenmayr, Leopold: Die Kräfte des Alters. Wien: Wiener Journal Zeitschriftenverlag, 1990. 394 5., DM 48,- / sFr 38,60/ öS 340