1989 wird als "Jahr der Katastrophen" bezeichnet. Noch nie verursachten Erdbeben, Überschwemmungen, Brände, Chemieunfälle und Stürme weltweit versicherte Schäden in Höhe von mindestens 166 Mrd. öS. Das waren um 120% mehr als im Jahr zuvor. Im ersten Guartal 1990 sind bereits 2f3 dieser Rekordschadenssumme aufgelaufen. Der Autor versucht, den prinzipiellen Entstehungsmechanismus von Katastrophen zu entlarven und zu belegen, "dass am Anfang jeder Katastrophe die Verdrängung des Risikos stand, steht und stehen wird". Hinzu kommt, dass risikofreies Leben gar nicht möglich ist. Wann ein Unglück als Katastrophe bezeichnet wird, hängt allein davon ab, wie hoch der erlittene Verlust empfunden wird. "Was nun aber besonders schlimm ist, hängt entscheidend von den bisherigen Erfahrungen, von den kollektiv anerkannten Werten einer Gesellschaft und von der Nähe des Ereignisses ab." Brauner nennt als Beispiel dafür die Luftfahrt, die, statistisch betrachtet, die sicherste Form des Personen-Massentransportes ist, aber immer noch als weitaus gefährlicher gilt als das Autofahren. Anhand weiterer Exempel wird gezeigt, dass Katastrophen stets mehrere Ursachen haben. Der Mensch trägt sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht wesentlich zum Anstieg der Schadensvolumina bei. Die Sicherheitszugewinne durch Schutztechniken oder Frühwarnsysteme werden durch gleichzeitige Erhöhung der Risikopotentiale mehr als wettgemacht. Und trotzdem sind wir nicht zu einer weitreichenden Schadensreduzierung bereit. Auch gegen die größte bislang ablaufende Bedrohung, der globalen Klimakatastrophe, wird offensichtlich zu wenig unternommen. Oberstes Ziel muss laut Brauner die Risikovermeidung und nicht die Risikobeherrschung (Risikomanagement) sein. Heute wird oft versucht, "das Risiko durch eine Verringerung der Eintrittswahrscheinlichkeit auf das sogenannte Restrisiko zu reduzieren". Dabei wird das maximal mögliche Schadensausmaß ignoriert und nicht berücksichtigt, dass wir nie genau wissen, wie das System darauf reagieren wird. Das Fazit des Autors klingt letztlich optimistisch: Da die meisten Katastrophen vom Menschen verursacht werden, müsste dieser auch in der Lage sein, die meisten von ihnen zu verhindern. 

Brauner, Christian: Das verdrängte Risiko. Können wir Katastrophen verhindern? Freiburg (u. a.): Herder, 1990. 256 5., DM 49,801 sFr 44, 101 öS 388,40