Die Landwirtschaft ist, nicht nur, aber auch und ganz besonders im Alpenraum in der Krise. Auf der Suche nach tragfähigen Konzepten aus dieser Krise hat deshalb, erstmals, wie der Schriftleiter im nunmehr vorliegenden Tagungsband schreibt, die Europäische Akademie Bozen in einer Tagung den Versuch einer interdisziplinären, problemorientierten Aufarbeitung der Thematik Berglandwirtschaft mittels eines differenzierten Gesamtbildes der Landwirtschaft im Alpenraum unternommen. Die zehn Referenten aus den sieben Anrainerstaaten der Alpen geben einen äußerst umfassenden Einblick in die jeweiligen Problemstellungen. Bei aller Differenz im Detail zeichnen sich aber auch einige charakteristische Übereinstimmungen ab: Überalterung der Betriebsinhaber, ökonomischer Druck durch zu geringe Einkommen, Arbeitsüberlastung durch Zu- und Nebenerwerb, ökologische Probleme durch zu extensive in der Höhe und zu intensive Nutzung in den Tallagen. Bei aller Unterschiedlichkeit der Problemstellungen bleibt der gemeinsame Nenner: Die Bergbauerngebiete sind im Vergleich mit den landwirtschaftlichen Gunstlagen Gebiete mit erschwerten landwirtschaftlichen Produktionsbedingungen. Wer nicht einem Marktradikalismus das Wort reden würde, was, wie die Referenten einmütig betonen, zu gravierenden ökologischen Problemen und zu soziokulturellen Verwerfungen führen müßte, muß sich auf den schwierigen Weg der Lösungssuche im Detail machen. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Forderung nach einer Dezentralisierung der Entscheidungskompetenzen durch die Beiträge. Der Schweizer Professor Peter Rieder vom Institut für Agrarwissenschaft in Zürich nennt denn auch als einen der Gründe für die im Vergleich mit den anderen Alpenanrainerstaaten relativ günstige Lage der heimischen Landwirtschaft die föderalistische Struktur der Eidgenossenschaft. Ein deutlicher Kontrapunkt also zur herrschenden Ideologie der Globalisierung, wie sie sich auch im Binnenmarktkonzept der EU ausdrückt. Gleichwohl müßten nach Ansicht des Leiters der Tagung, Werner Bätzing vom Institut für Geographie an der Universität Erlangen, auch von den Bauern selbst strukturelle Innovationen erfolgen: Neue Produkte, neue Produktionsziele und -strukturen, eine bewußte ökologische Bodennutzung und neue Vermarktungsformen sollten den Bergbauern eine höhere Wertschöpfung ermöglichen. Daneben muß die Gesellschaft aus der Erkenntnis, daß die Landwirtschaft nicht ausschließlich nach marktwirtschaftlichen Kriterien zu betreiben ist, den Bauern, gerade in den Alpenregionen, einen Ausgleich für deren landschaftskulturelle Leistungen, für die sich auf dem freien Markt, jedenfalls unter den gegenwärtigen Gegebenheiten, kein Preis erzielen läßt, aus den allgemeinen Steuereinnahmen bereitstellen. Das Buch bietet eine sehr umfassende Situationsanalyse der Landwirtschaft im Alpenraum mit vielen Tabellen und Datenreihen und spricht damit wohl eher den wissenschaftlich interessierten Fachmann an. Die Zukunftsperspektiven bleiben eher vage. E. H.

Landwirtschaft im Alpenraum - unverzichtbar, aber zukunftslos: Eine alpenweite Bilanz der aktuellen Probleme und der möglichen Lösungen. Bätzing, Werner (Red.). Berlin (u.a.): Blackwell Wissenschafts-Verl., 1996. 242S.,