Die spektakulären Arbeitszeitverkürzungen bei VW (28,8 Stunden-Woche) und im Steinkohlebergbau (30 zusätzliche Freischichten in zwei Jahren) haben das bisherige Muster der Arbeitszeitverkürzungen "revolutioniert" und zugleich die Überlegungen zur Verlängerung der Wochenarbeitszeit hoffentlich zum Verstummen gebracht. In der vorliegenden, von der Hans Böckler-Stiftung geförderten Untersuchung wurde der Frage nachgegangen, wie die Beschäftigten beider Unternehmen die kürzeren Arbeitszeiten akzeptieren, wie sie die gewonnene Zeit nutzen und wie sie mit dem gesunkenen Einkommen umgehen. Eine deutliche Mehrheit der Befragten äußerte sich entweder sehr zufrieden bzw. zufrieden mit den neuen Regelungen oder steht ihnen zumindest ambivalent gegenüber.

Lediglich eine Minderheit von einem knappen Viertel (Ruhrkohle) bzw. einem Sechstel (VW) ist mit den Arbeitszeitverkürzungen unzufrieden. Die Akzeptanz basiert vor allem auf der Überlegung, so den eigenen Arbeitsplatz gerettet zu haben; erst in zweiter Linie wird der Zeitgewinn als Vorteil gesehen. Verwendet wird die frei. werdende Zeit vorrangig zur Intensivierung persönlicher Beziehungen (Familie, Kinder, Freundeskreis), öffentliches Engagement oder Fortbildung spielen eine geringere Rolle. Frauen zeigen sich mit der Arbeitszeitverkürzung zufriedener als Männer, sie empfinden die gewonnene Zeit als Entlastung für ihr privates Zeitbudget. Trends hin zur gleichberechtigteren Aufteilung der Hausarbeit zwischen den Geschlechtern wurden jedoch nicht festgestellt. Naheliegenderweise bedeutet für Beschäftigte mit geringeren Einkommen der Lohnverlust die größte Belastung, bei mittleren und höheren Angestellten wurde vor allem über Leistungsverdichtung geklagt. Hinsichtlich der Übertragbarkeit der Arbeitszeitmodelle auf andere Unternehmen oder Branchen kommen die Autorinnen zum Schluß, daß (derzeit) die Akzeptanz von Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich mehr von einer Krisensituation im Betrieb und weniger von einer grundsätzlichen Bereitschaft abhänge, Arbeit neu zu verteilen. Diese könne aber durch mehr Mitsprache der Beschäftigten bei der Arbeitszeitgestaltung sowie durch einen Teillohnausgleich bei niedrigeren Einkommen erhöht werden.

H.H.

Weniger Geld, kürzere Arbeitszeit sichere Jobs? Soziale und ökonomische Folgen beschäftigungssichernder Arbeitszeitverkürzungen. Promberger. Markus ...{Miterb]. Berlin: Ed. Sigma, 1997. 240 S., DM 29,80 / sFr 27,50 / öS 218