Eine Krise ist auch die Chance zur persönlichen Weiterentwicklung: Eine Weisheit, der vor allem jene Glauben schenken werden, die gerade nicht in einer schweren Krise stecken. Marianne Trappe, Diplompsychologin, weiß um die Symptome einer schweren Krise: Als ihr der Kinderarzt mitteilte, daß ihr Sohn beinahe gehörlos sei, hatte sie lange Zeit gegen bzw. mit Verzweiflung, Schlaflosigkeit und Apathie zu kämpfen. Sie legt nun ein Konzept vor, daß dem Leser Mut machen soll, Lebensprobleme anzupacken, nicht zu resignieren. Einerseits wird damit den Betroffenen viel Macht zugeschrieben: sie sind - so die Botschaft des Buches - nicht ohnmächtig unterschiedlichen Lebensproblematiken ausgesetzt, sie können innere und äußere Veränderung erreichen. Die Ambivalenz des Begriffes" Krise" zwischen den Polen Sackgasse und Herausforderung wird zum Leitmotiv der Darstellung: Die Betroffenen haben die Möglichkeit der Entscheidung - zum Handeln oder zum Resignieren. Für alle jene, die sich für dynamisches Handeln entschieden   haben, können die sehr pragmatischen Lebensregeln, das sogenannte Trainingsprogramm, der Autorin hilfreich sein: In Kästchen gerahmt, stehen hier Anleitungen, die dem Hilfesuchenden sagen, "wo es denn langgeht" . Ob angesichts schwerwiegender Veränderungen des Lebens diese Hinweise nebst Trainingsprogrammen akut Hilfe geben, ist zu bezweifeln: Hier werden praktische Antworten auf tiefgreifende Lebensfragen gegeben, bevor diese ausformuliert wurden. C. R.

Trappe, Marianne: Ich sehe keinen Ausweg mehr ... Krisen sind keine Sackgasse. Freiburg (u.a.): Herder, 1993. 187S., DM 30,- / sFr 25,- / öS 233