Die Wissenschaft steht den heute wichtigsten Problemen wie Arbeitslosigkeit, Aufrüstung und Umweltzerstörung weitgehend ohnmächtig gegenüber. Die oft beschworene "Krise der Moderne" nimmt darauf Bezug und kritisiert, "daß Erziehung, Bildung und Ausbildung mit der gesellschaftlichen Entwicklung nicht mehr Schritt halten würden". Bereits Musil diagnostiziert, daß unsere Auffassung von Rationalismus und Fortschritt längst überholt sei. Das führt zur Frage, ob unsere Bildungseinrichtungen an der Lebenswelt vorbeibilden.

Unterschiedliche Zugänge und Perspektiven zum Thema werden geboten. Eine Lehrergruppe befaßt sich beispielsweise damit, wie mathematisches Denken unsere Sichtweisen im Alltag beeinflußt. Ausgehend von der positiven Leitidee der Lebensweltorientierung, fragt Horst Siebert, wie dieser Anspruch didaktisch-methodisch eingelöst werden kann. Dabei sieht er durchaus gelungene Beispiele dort, wo ein ganzheitliches Bildungskonzept realisiert und auf eine technokratische "Qualifizierungsoffensive" ebenso verzichtet wird wie auf eine reine Sozialtherapie. Thomas Leithäuser versucht "anhand von Techniker- und Ingenieursgruppen aufzuzeigen, wie sich ein interdisziplinärer Dialog zwischen unterschiedlichen Denk-und Wissenschaftsbereichen herstellen läßt". Weiters werden Aspekte des Schulsystems, der Lehrlingsausbildung, aber auch des Schreibens wissenschaftlicher Arbeiten erörtert. Dietmar Larcher entwickelt aus den Erfahrungen in einem einschlägigen Handlungsforschungsprojekt Ansätze für einen "Minderheiten-Bildungsauftrag". Die inneren und äußeren "Machtkulturen" auf universitärer Ebene im Hinblick auf mögliche Demokratisierungsprozesse leuchtet Anton Pelinka aus.

Erst durch die kritische Auseinandersetzung mit den hier angesprochenen Überlegungen wird es zu weiterführenden praktischen Impulsen für die zukünftige Entwicklung von Bildung, Ausbildung und Wissenschaft kommen. Als weitere Anregung sei an dieser Stelle noch die folgende Lektüre empfohlen: - Forschung, Wissensanwendung und Partizipation. Gudrun-Anne Eckerle (Hrsg.) Baden-Baden: Nomos, 1987. 215 S. (=Studien zum Umgang mit Wissen; Bd. 4)

Gehen Bildung, Ausbildung und Wissenschaft an der Lebenswelt vorbei? Michael Schratz (Hrsg.). München: Profil-Verlag, 1988.283 S. (Technik- und Wissenschaftsforschung; Bd. 3) DM 30,-/sfr 25,40/öS 234,-