Die in Anbetracht des rasanten technologischen und sozialen Wandels immer wieder eingeforderte Notwendigkeit lebenslangen Lernens ist v. a. auch als permanente Herausforderung für die Erwachsenenbildung (EB) zu verstehen. In welche Richtungen eine von institutionellen Zwängen befreite, neue Formen und Orte des Lernens entdeckende und erprobende Pädagogik sich entwickeln könnte, dokumentiert dieser herausragende Sammelband, auf dessen Gesamtkonzeption und einige (der allesamt lesenswerten) 29 Beiträge hingewiesen sei. Ossip K. Flechtheim entwirft im ersten von drei den Rahmen absteckenden Beiträgen zur Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit der (Erwachsenen-)Bildung die Utopie einer von den Sachzwängen des Arbeitenmüssens weitgehend befreiten Gesellschaft, in der es "Spielraum für alle Arten geistiger Kultur, moralischen und sozialen Fortschritt" mit viel mehr Künstlern, Philosophen und "Gesellschaftern" gäbe, "Menschen, die nicht von, sondern für die Politik leben". Der erste thematisch geschlossene Abschnitt, "Bildung im Umbruch" betitelt. skizziert politische Herausforderungen und Rahmenbedingungen für das nächste 'Jahrtausend. U. a. beschäftigt sich Rita Süssmuth mit Fragen der Qualitätssicherung in der Weiterbildung; Folgen des fortschreitenden Rückzugs der öffentlichen Hand aus der Verantwortung sind das Thema von E. Nuissl. Im Abschnitt" Brüche und die Suche nach Perspektiven" konstatiert Horst Siebert ein "Zerbröckeln des Politischen" und kommt aufgrund der Betrachtung der Inhalte der Bildungsarbeit von den 50er Jahren bis zur Gegenwart zu der Ansicht, daß zunehmend" nicht die ‚richtigen'. sondern die ,emanzipatorischen' Inhalte in den Vordergrund rücken." Die" Wiederentdeckung der Gemeinschaft" konstatiert B. Dewe aus sozialpädagogischer Sicht, wobei vielfach die Erfahrungswelten und Biographien Beachtung finden. H. Schneider spricht von einer" Mitmach-Kultur", die das "Alltägliche und Beständige" in den Mittelpunkt des Interesses rückt. und hinsichtlich sozialer Arbeit sieht, seine Sache wie stets pointiert vertretend, Rolf   Schwendter in seinem Entwurf einer "zeitgenössischen Phänomenologie" die EB "Zwischen den Stühlen" postiert. Als Ansätze "Alternativer Bildung" werden im nachfolgenden Abschnitt "Selbstorganisierte Projekte", "Soziale Selbsthilfe als alternative Gesellschaftspolitik" (von B. Runge und Fritz Vilmar), das Konzept" Learning by doing". "Projektwerkstätten als Keimzellen der Jugendumweltbewegung " (von A. Torbecke) und u. a. die TheaterWerkstatt-Arbeit nach Augusto Boal (von F. Letsch) vorgestellt. Die ausführliche Beschreibung von sieben beispielhaften - realisierten wie auch in Diskussion befindlichen - Einzelprojekten runden den Band ab. Prädikat: Besonders wertvoll. W Sp.

Kulturen des Lernens. Bildung im Wertewandel. Hrsg, v. Hannelore Zimmermann, Talheimer Verl., 1995. ca. 285 S., DM/sFr 42,-/ÖS 327,60