"Geh doch hin, wo der Pfeffer wächst", lautet eine Redensart in unseren Breiten. Aber, wer weiß schon, wo er eigentlich wächst, der Pfeffer? Und wo gedeihen all die anderen, vorwiegend tropischen Produkte, die früher als "Kolonialwaren" bezeichnet wurden und heute kaum mehr aus dem europäischen Nahrungsrund Genussmittelangebot wegzudenken sind? Kaffee, Tee, Kakao, Zucker, Pfeffer und andere Gewürze, Baumwolle, Tabak, Opium, Ölfrüchte, Kautschuk, Tropenholz und Bananen bilden die Ingredienzien des vorliegenden Bandes. Anhand ihrer Geschichte wird beispielhaft der Aufstieg des kapitalistischen Wirtschaftssystems nachgezeichnet, der ohne die billigen Produkte aus den unterentwickelt gehaltenen Ländern nicht möglich gewesen wäre. Auch vor der Ausbeutung der" Kolonialware Mensch" - von der Sklavenhaltung bis zu den "Arbeitsmaschinen" in südostasiatischen Fertigungsbetrieben - machte und macht die Weltwirtschaft nicht halt. Die Herausgeber, die eine Serie der Zeitschrift" Entwicklungspolitische Nachrichten (EPN)" als Rohstoff für diese Arbeit verwendeten, haben auch die aktuellen Umwälzungen der biotechnologischen Revolution nicht vergessen: Durch die industrielle Herstellung von Zucker und Vanille, die Klonung von Ölpalmen sowie die Einführung von dünger- und pestizidabhängigem Hochertrags-Saatgut kündigen sich fundamentale Veränderungen der landwirtschaftlichen Produktionsweise an. Leidtragende werden einmal mehr die Kleinbauern und -bäuerinnen in der sogenannten" Dritten Welt" sein. Ein nützliches Buch für all jene, denen nicht egal ist, was sie täglich essen, trinken und genießen. Anzumerken bleibt, dass auch das Thema "Kolonialware Mensch" ein eigenes Kapitel wert gewesen wäre. 

Kolonialwaren. Die Schaffung der ungleichen Welt. Pfeisinger, Gerhard (Hrsg.). Göttingen: Lamuv-Verl., 1989. 173 S., (Lamuv- Taschenbuch; 61) DM 16,80 I sFr 14,20 I öS 131