Nicht erst seit das Wort vom Technologietransfer in aller Munde ist, um eine neue Runde im Ringen um Macht- und Marktanteile einzuläuten, ist die Allianz von Forschung, Industrie und Staat beschlossene Sache. Wie die beiden Autoren mit dieser fundierten und zugleich ungemein spannend zu lesenden Arbeit unter Berücksichtigung teils bisher unveröffentlichten Archivmaterials belegen, reichen die Anfänge des - vorwieggend harmonischen Zusammenspiels von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in Deutschland bis ans Ende des 19. Jahrhunderts zurück. In vier "nuklearen" und drei "elektronischen" Kapiteln werden die Spielregeln dieser „Hybridgemeinschaft" transparent gemacht, wobei deutlich wird, wie alle Seiten aus Konkurrenzmotiven, der selbstdiktierten Maxime des "Aufholen-Müssens" und teils naiver Fortschrittsgläubigkeit Gewinne erzielen. Eine besondere Rolle in diesem Prozess spielte und spielt dabei vor allem die Atompolitik der BRD. Ob "Atornei". Kernforschungsanlage Jülich oder Fusionsprojekt "Wendelstein" - die Verbindung von staatlichem Prestigedenken, forschungspolitischem Ehrgeiz und Massiven Kapitalinteressen ist hier ebenso auszumachen wie im Bereich des "elektronischen Komplexes", auch wenn letzterer noch weniger ausgebildet ist. Den Autoren ist eine politisch brisante Arbeit zu verdanken, die, frei von Polemik, verdeutlicht, wie dringend erforderlich eine demokratisch organisierte Forschungs- und Technologiepolitik wäre, in der das Wort Sozialverträglichkeit mehr ist als bloßes Lippenbekenntnis. 

Eckert, Michael; Osietzki, Maria: Wissenschaft für Macht und Markt, Kernforschung und Mikroelektronik in der Bundesrepublik Deutschland. München: Beck, 1989.2655., DM 39,80 I sFr 33,70 I öS 310,40