ORF-Wetterredakteur Marcus Wadsak richtet sich gegen die verharmlosende Stimmen. Er erklärt einmal mehr den menschengemachten Treibhauseffekt und wie sich dieser von früheren Klimaveränderungen unterscheidet. Die Auswirkungen des Klimawandels von Wetterextremen bis hin zu möglichen Kipppunkten beschreibt Wadsak vor allen an österreichischen Beispielen. Die Probleme, die der Klimawandel jetzt schon verursacht, seien der Auftakt für stärkere Verwerfungen: „Es wird wärmer, das ist fix. Wir haben allerdings noch in der Hand, wie stark diese Erwärmung ausfallen wird.“ (S.61)

Wadsak schildert, wie wir in den Hauptfeldern Mobilität, Ernährung und Konsum alle zur Umsteuerung beitragen können und was Aufgabe der Politik ist. Er geht auch auf notwendige Anpassungsmaßnahmen ein, Strategien des Geo-Engineering hält er für Phantastereien. Das Buch beeindruckt durch die klare Sprache und die für alle verständlichen Erklärungen, die durch sehr anschauliche Grafiken unterstützt werden: Von den globalen Temperaturanstiegen über die Hitzerekorde in Österreich bis hin zum weltweiten Anstieg des Meeresspiegels. Die Ernährungspyramide der Ernährungswissenschaften legt uns weniger Fleischkonsum nahe, was zugleich der Klimawende zuträglich ist, an die 20 Prozent der Treibhausgase sind der Landwirtschaft und dem Ernährungssektor zugeordnet. Wadsak ergänzt diese durch eine „umgekehrte Verkehrspyramide“ (S. 101, der Verkehr ist in Österreich für 30 Prozent der Treibhausgase verantwortlich), bei der Gehen und Laufen, Radfahren und Fahrradtransporte an der Spitze stehen, gefolgt vom Öffentlicher Verkehr, Taxis und Carsharing. Am unteren Ende folgt erst das eigene Auto und der Flugverkehr.

Wadsak schließt sein Buch mit Hinweisen darauf, wie wir die Verdrängung des Klimawandels überwinden können. Mit der Umweltpsychologin Isabella Uhl-Hädicke plädiert er für Selbstwirksamkeitserfahrungen, was erfordere, die Chancen des Wandels herauszustreichen. Zweitens gehe es um Informationen darüber, was wir mit einem geänderten Verhalten bewirken (als Beispiel nennt der Autor das ÖBB-Ticket, das die CO2-Einsparung durch die Bahnfahrt anzeigt). Notwendig sei weiters, das Thema greifbar zu machen. Das erreiche weder das abstrakte 1,5 Grad-Ziel noch der einsame Eisbär auf der Scholle, sondern nur das, was wir in unserem Alltag sehen und spüren. Viertens müsse das Gefühl kollektiver Wirksamkeit gestärkt werden – Beispiele seien Fridays for Future ebenso wie Klimabündnis-Gemeinden. Wichtig seien schließlich Emotionen – das Mitfühlen mit Menschen, denen die Häuser weggerissen werden, ebenso wie positive Bilder einer erstrebenswerten Zukunft, „in der wir Energie erzeugen, die uns aus bisherigen Abhängigkeiten befreit und in der wir mobil sein können, ohne Lärm und Abgase zu verbreiten“ (S. 134).