Man muss mit Waffen kämpfen, die nicht nur scharf sind, sondern auch blitzen, meinte der römische Philosoph und Rhetoriker Quintilian. Es geht bei Schwertern nicht nur um ihre Funktion, sondern auch um ihre Form. Und genau diese Form der Dinge hat es wiederum Robert Pfaller angetan. Mit Die blitzenden Waffen. Über die Macht der Form liefert er nach Erwachsenensprache (2017) seine neueste Publikation.

Die Form bietet zum Beispiel in der Kunst die Möglichkeit, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Menschen mit völlig verschiedenen Ansichten können sich von der Form eines Kunstwerks gleichermaßen angesprochen fühlen. Angenommen ich möchte als Künstlerin oder Künstler etwas Politisches vermitteln, dann erreiche ich mehr Menschen, wenn dabei die Form, mit der ich es ausdrücke, ambivalent ist. Die Form dient als Anknüpfungspunkt und eröffnet damit also ein Kommunikationsverhältnis mit verschiedenen Menschen. In der gegenwärtigen Welt erlebe er allerdings gerade den gegenteiligen Trend, meint Pfaller. Die Anstrengungen der Kunstschaffenden richteten sich heute vor allem auf den Inhalt, während Fragen der Form vernachlässigt würden. So werde die Chance verpasst, die Nicht-Überzeugten zu erreichen.

Die Formen sind das solidarische Element in einer Kultur

Pfaller lässt sich von  dieser Beobachtung zu einer generellen Feststellung leiten. Die Formen seien das solidarische Element in der Kultur. „Indem sie auf der Ebene der Form miteinander spielen – etwa, indem sie einander scherzend oder ironisch ansprechen –, können Menschen sehr viel mehr Verbindlichkeit untereinander aufbauen, als wenn sie sich nur benennend auf Sachverhalte beziehen.“ (S. 169)

Was anhand der Form in der Kunst erklärt wurde, gilt aber gleichermaßen für unsere Gesellschaft. Manchmal werden die Argumente angeführt, man müsse in der zwischenmenschlichen Interaktion ganz „authentisch“ oder „man selber sein“. Eine Gesellschaft, in welcher jeder auf diese Weise seine Haut unverdeckt zu Markte trage, wird natürlich auch mehr Verletzungen sehen. Das führt dazu, dass man immer vorsichtiger wird, sich aus dem Weg geht. Pfaller spricht hier von einem negativen Kult der Vermeidung. (vgl. S. 49) Er plädiert für etwas anderes: Wir sollten spielerisch miteinander umgehen dürfen, gemeinsame Formen wahren, die es uns erlauben, ins Gespräch zu kommen. Klar sind diese Formen nicht authentisch mit dem Inhalt, der persönlichen Meinung, sie wird verdeckt, übertrieben, maskiert. Der Autor  spricht in diesem Zusammenhang über Urbanität. Diese sei gerade nicht das Korrekte, Aufgeklärte, sondern vielmehr eine Form, den Dingen durch Ambivalenz Leichtigkeit und Reiz zu verschaffen. So könne es gelingen, der aktuell zu beobachtenden „Entzauberung der Welt“ entgegenzuwirken, die zu einer „übelgelaunten Askese“ führe (S. 45).

Die Idee der Ambivalenz verteidigen

Auch wenn es um Schönheit gehe, gelte es jederzeit die Idee der Ambivalenz zu verteidigen. Während postmoderne Individuen alles, was auch nur im Geringsten stören könnte, beseitigten, ist die Idee, dass manchmal gerade eben das Unregelmäßige, Sperrige ein Anlass zu größter Begeisterung und Entzücken sein könnte, ähnlich wie ein derber Kommentar in einer hitzigen Rede, für Pfaller absolut naheliegend. (vgl. S. 207)