Christina Berndt

Klimaresilienz

Ausgabe: 2025 | 4
Klimaresilienz

Christine Berndt arbeitet als Autorin, Journalsitin und Rednerin zu Themen aus Medizin, Psychologie und Lebenswissenschaften und ist leitende Redakteurin im Wissenschaftsressort der Süddeutschen Zeitung. Zu ihren zahlreichen Büchern gehört der Bestseller „Resilienz. Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft“. In ihrem neuen Werk stellt sie sich dem Thema „Klimaresilienz“. Sie referiert dazu eine Vielzahl an Studien zu allen gesundheitsrelevanten Aspekten der Erderwärmung: von der Zunahme der Hitzetage und der Ozonwerte wie jener der Allergien, vom Artensterben und dessen Bedeutung für uns Menschen bis zur Invasion neuer gefährlicher Mücken, Zecken und Viren, von den Folgen der zunehmenden Extremwetterereignisse bis zu den psychischen Belastungen durch die wachsenden Umweltkatastrophen.

Ein von vielen Städten bereits erkanntes Problem ist die Zunahme der Hitzetage. Berndt dazu: „Wenn man die Zahlen der vergangenen Jahre mit den Prognosen der Klimaforschung abgleicht, könnte es in Zukunft in Deutschland leicht 20.000 Hitzetote und mehr pro Sommer geben“ (S. 48). Neben praktischen Tipps für den Alltag wie „Richtig trinken und essen“, „Bewegung anpassen“ oder „Hitze draußen lassen“ plädiert die Autorin auch für begrünte Städte, Hitzeschutzpläne sowie neue Zeitrhythmen, etwa eine „ausgedehnte Mittagsruhe nach südeuropäischen Vorbild“ (S. 57) auch in Unternehmen. Frankreich habe nach dem Hitzesommer 2003 entsprechende Vorkehrungen getroffen, Behörden, Polizei, Krankenhäuser und Hilfswerke wüssten nun, was sie bei hohen Temperaturen zu tun haben: „Ab einer gewissen Stufe sind Sozialdienste verpflichtet, ältere Personen anzurufen oder zu besuchen, um sicherzustellen, dass sie sich zu Hause ausreichend vor Hitze schützen“ (S. 59).

Die Gefahren durch die Klimakrise, wozu auch die zunehmende UV-Strahlung mit dem Risiko von Hautkrebserkrankungen gehöre, würden noch zu wenig erkannt – von den Behörden ebenso wie von den Bürger:innen: „Immer noch haben viele Verantwortliche nicht verstanden, dass sich die Lebensbedingungen gerade massiv verändern – und dass es ihre Pflicht wäre, dies den Menschen zu sagen“ (S. 77). Sonnenlicht sei wichtig für die Vitamin D-Produktion, dafür reichten aber kurze Aufenthalte in der Sonne, ungeschützt in der Sonne liegen sei problematisch, gebräunte Haut stehe nicht für Gesundheit. Die Pollensaison wiederum breite sich mittlerweile auf das ganze Jahr aus, die CO2-Emmissionen führten dazu, dass Pflanzen mehr Pollen produzieren, weil das Treibhausgas wie ein Dünger wirke. Zudem erhöhe Pflanzenstress die Pollenerzeugung. Abhilfe gegen Allergien würden eine vielfältige Nahrung bereits im Kleinkindalter, das Ablassen von übertriebener Hygiene sowie der Kontakt zu Tieren schaffen, so ein weiteres der vielen Details aus dem Buch. Ökolandbau wiederum würde nicht nur gesündere Lebensmittel produzieren, sondern auch die Biodiversität fördern.

 

Ernährungsgewohnheiten und Reiseverhalten überdenken

Weitere Kapitel widmen sich der Ausbreitung tropischer Mücken sowie gefährlicherer Zecken, der Zunahme von Extremwetterereignissen und der Erhöhung des Risikos weiterer Pandemien durch das Vordringen des Menschen in immer mehr bisher Wildtieren vorbehaltenen Regionen. Der hohe Fleischkonsum, vor allem von Rindern, trage dazu bei: „Denn überall dort, wo Tierhaltung auf Flächen ausgedehnt wird, auf denen früher keine Nutztiere gehalten wurden, steigt die Pandemiegefahr“ (S. 225). Das Kapitel „Wider das ewig schlechte Gewissen“ plädiert für ein Überdenken unserer Reisegewohnheiten, durch das Fliegen verursachte CO2-Emissionen zu kompensieren, sei zwar ein Weg, aber besser sei es, einen klaren Schnitt zu machen: „Ich fliege ab jetzt nicht mehr, basta“ (S. 233). Dies führt die Autorin zum letzten Kapitel, der Klimaangst sowie der Angst vor unwiederbringlichen Verlusten, genannt „Solastalgie“ – auch hier helfe entschiedenes Handeln sowie das Achten auf persönliche Resilienz.

Resümee: Ein Buch mit zahlreichen Fakten zu Klima und Gesundheit sowie praktischen Tipps, wie wir uns an die veränderten Bedingungen durch die Klimaerwärmung anpassen können. Auch wenn Berndt mehrmals auf die Notwendigkeit persönlichen und politischen Handels gegen die Klimakrise verweist, ist darauf zu achten, dass Anpassung nicht zum Nichtstun verleitet. Der eingangs zitierte Satz, die Klimakrise sei „nichts anderes als eine weitere Krise im Leben von Menschen“ (S. 17) könnte missverstanden werden. Das Singuläre der Klimakrise ist ihre Komplexität und Unberechenbarkeit.