Die Arbeit wird weiterhin Dreh- und Angelpunkt der gesellschaftlichen Entwicklung bleiben, neu nachzudenken ist jedoch über ihre Verteilung und Ausgestaltung: Arbeitszeitverkürzung, flexible Arbeitszeiten, Zeitsouveränität, Strukturverbesserungen, Qualitätsoffensive sind nur einige Stichworte. Um die steigende Zahl der Arbeitslosen wieder in Beschäftigungsverhältnisse einzugliedern, plädiert Christa Müller für die Etablierung eines "Zweiten Arbeitsmarktes", der die derzeitigen Sozialleistungen durch gesellschaftsrelevante Dienste (Infrastrukturmodernisierung, Umweltsanierung, Ausbau sozialer Dienste) ersetzt und etwa durch höhere Besteuerung von Rohstoffen, Energie und hohen Einkommen sowie durch eine Arbeitsmarktabgabe für Beamte finanziert werden könnte. Zur Integration älterer Arbeitnehmer wird ein Strategiewandel in der Politik von Staat und Unternehmen vorgeschlagen: weg von monetärem Risikoausgleich, hin zu präventiver Risikovermeidung. Birgit Volmberg durchleuchtet die Unternehmenskultur aus sozialpsychologischer Sicht, E.U. von Weizsäcker spricht sich in seinem Beitrag einmal mehr für eine Umorientierung von der Arbeits- zur Energieproduktivität aus. Die Krise der Gewerkschaften und deren Reaktions- und Gestaltungsmöglichkeiten sind Thema des zweiten Teils des Bandes. Angemessene Beteiligungs- und Arbeitsformen (Schmoldt/Walter), eine neue Diskursorganisation und außerbetriebliche Präsenz (Negt) werden als Herausforderungen benannt. Die Zurückgewinnung einer politikgestaltenden Rolle, die Integration bzw. Gewinnung von Frauen, NichtWeißen, Hochqualifizierten und Angestellten sowie aktive Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik thematisieren Beiträge über die Gewerkschaften in den USA. Drei Aufsätze befassen sich schließlich mit den Problemen der Auflösung alter Strukturen und dem Aufbau neuer Organisationen in Russland. PD. 

Jahrbuch für Arbeit und Technik 1993. Hrsg. v. Werner Fricke.

Bann: Dietz, 1993.4005., DM 30,-/ sFr 27,60/ÖS 234