Das Symposium, „Ist Ökologie fehlbar" ging der Frage nach, "ob die Pädagogik mit ihren Voraussetzungen auf gesellschaftliche Problemstellungen plausible Überlegungen oder sogar Handlungsmöglichkeiten für eine erzieherische Praxis anbieten kann Niklas Luhmann untersucht die Rolle der Kommunikation im Zusammenhang mit Ökologie. Er geht dabei von zwei Arten von Ökologie aus, dem Verhältnis der Gesellschaft zum einzelnen Individuum, und zu den nicht menschlichen Gegebenheiten ihrer Umwelt. Die Aufgabe einer ökologischen Lehre und Unterrichtspraxis ist für ihn eine Herausforderung an die Gesellschaftstheorie, denn "die entscheidende Frage dürfte doch wohl sein, wie wir uns zu der Gesellschaft einstellen, die uns in diese Situation gebracht hat und der wir nicht entrinnen können - selbst wenn wir es wollten". In diesem Sinn geht es um die Wirkungsquellen eines ökologischen Bewußtseins und was man mit einem solchen anfängt, "wenn man vor den Türen der Systeme steht". Hartmut von Hentig erörtert den Wertbegriff im ökologischen Kontext. Ganz allgemein hält er die Zahl der Werte für gering, er nennt zwölf, und widerspricht dem vielfach diagnostizierten "Wertewandel "Angst vor der anarchaischen Komponente der Jugend hat es immer gegeben, aber wann hat sie tatsächlich zur Auflösung der Institutionen und der Ordnung geführt? Als Werte in der Erziehung gelten ihm Selbstverantwortung, das Entwickeln von Ziel-Modellen und die Suche nach dem Guten. Jürgen Oelkers als Gastgeber des Symposiums ging auf seine Vorredner unmittelbar ein, um seine Lernfähigkeit zu dokumentieren. Es geht ihm nicht mehr vordergründig um die eingangs gestellte Frage, sondern um die Beeinflußbarkeit der Zukunft und die Veränderung der Bildungsinstitutionen, um Formen und Inhalte organisierten Lernens. Er plädiert für eine Schule als lernende Bearbeitung von Verstehenszusammenhängen und für ökologische Bildungsprogramme. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit der ökologischen Erwachsenenbildung und deren Zielsetzung, Eigenverantwortlichkeit zu fördern. Auch die Medien werden an ihren Auftrag zur Vermittlung möglichst seriöser Informationen erinnert. Am Schluß des Bandes werden die Ergebnisse der Arbeitsgruppen, in denen es um spezifisch pädagogische Problemstellungen ging, kurz zusammengefaßt. 

Bedenkt man, daß wir nur einen Bruchteil unserer Lernkapazität nutzen, ist uns durchaus noch einiges an Lernfähigkeit zuzutrauen. Auch die Frage, ob uns eine Änderung des Verhaltens gegenüber der Umwelt beigebracht werden kann, muß positiv beantwortet werden. Als Lernziel kann die Entwicklung "ökologischen Denkens" formuliert werden. Dazu sind keine neuen Ökologie-Stunden notwendig, sondern Inhalte, die aufwühlen und bewegen und den Blick auf das Ganze des Naturhaushalts werfen. Das folgende Buch ist speziell für den Schulunterricht (Sekundarstufe) konzipiert: Praktische Ökologie. Hrsg. v. Willy Matthey (u. a.). Frankfurt/M.: Diesterweg, 1989. 334 S.

 

Ist Ökologie lehrbar? Hrsg. v. Lucien Criblez u. Philipp Gonon. Bern (u.a.): Zytglogge-Verl; 1989