
„Bildungsungerechtigkeit tötet“ (S. 8) ist eine der ersten Überschriften mit der Olaf-Axel Burow seine Leser:innenschaft im Prolog konfrontiert. Leider, wie er selbst beschreibt, ist diese Aussage nicht überzeichnet. Deshalb stellt sich Burow in diesem Buch zwei fundamentale Fragen: Woher kommt diese Bildungsungerechtigkeit und wie kann man ihr nachhaltig begegnen.
Für Deutschland zeigt Burow im ersten Teil seiner Auseinandersetzung schnell einen Trend auf. Bildungsungerechtigkeit existiert, obwohl wir es besser wüssten: Wir haben ein Umsetzungs- und kein Erkenntnisproblem. Wie er unter anderem am Beispiel der PISA-Studien festmacht, ist den meisten Beteiligten im Bildungssystem, sowohl auf theoretischer wie praktischer Ebene bekannt, dass ein großes Umdenken von Nöten ist. Die gravierend negativen Trends erzeugen aber eher Resignation als für den Wandel zu Mobilisieren.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken hat sich Burow einem Positivbeispiel gewidmet. Der in diesem Buch vielzitierten Alemannenschule Wutöschingen ist die Entwicklung von einer scheiternden, zu einer mit dem Schulpreis ausgezeichneten Hauptschule gelungen. Dabei ist diese Veränderung nicht auf theoretische oder empirische Forschung rückführbar, sondern entspringt einer Reflexion der individuellen Umstände dieser Schule. Sie haben also Erfolg in kreativer Selbstauslebung und lokaler Vernetzung gefunden, anstatt der Hilflosigkeit zu unterliegen, dass die eine Lösung für alle unerreichbar scheint.
Nichtsdestotrotz lassen sich anhand dieses Beispiels allgemeine Konzepte identifizieren, die uns dem Ziel eines nachhaltigen und fairen Bildungssystems näherbringen können. Burow formuliert dafür sieben Strategien, die bei einem Ausbau der Frühförderung beginnen, über Themen der Inklusion und Integration, sowie einer Reflexion des Lehrens und Lernens reichen, und in einem Umdenken der Kompetenzen des Lehr- und Direktionspersonals münden.
Aufbauend auf diesen Strategien sieht Olaf-Axel Burow die Etablierung einer gerechten „Schule der Zukunft“. Dabei möchte er alle Beteiligten des Bildungssystems motivieren an dieser Vision zu arbeiten, denn Veränderung passiert nicht durch isolierte Resignation, sondern durch mutige und kreative Vernetzung.








