
Guido Landreh leistet einen weiteren Beitrag zur Bildungsdebatte in Deutschland, zu der seit einigen Jahren viele Bücher erscheinen. Allein durch seine Expertise setzt er sich dabei von anderen Texten ab. Denn er arbeitete selbst als Lehrer und Schulleiter und zeichnet in „Schule und die Krise der Demokratie“ seinen Weg einer Schulentwicklung der Reinhold-Burger-Schule in Berlin nach.
Das Buch, das dabei herausgekommen ist, spiegelt seine Idee eines Lern- und Entwicklungsprozesses wider: Individuell, nicht linear-kausal und emotional involviert. Dass dadurch der rote Faden manchmal leidet, wurde bewusst akzeptiert zugunsten eines persönlichen Berichtes. Dadurch wirkt manches anekdotenhaft, präsentiert dadurch aber andererseits anschaulich Einsichten und Erkenntnisse, die auf einer theoretischen Ebene abstrakt geblieben wären.
Inhalte sowie Kernaussagen von Kapiteln und Unterkapiteln werden in kleinen Pinnwänden zusammengefasst und daneben Platz für eigene Notizen geboten. Die Intention scheint offensichtlich: Statt nur passiv aufzunehmen, möchte Landreh zum (Mit)Machen anregen.
Guido Landreh bietet ein Feuerwerk an Ideen
Dafür bietet er ein Feuerwerk an Ideen, das gleichzeitig die Komplexität eines solchen Veränderungsprozesses deutlich macht: Was sollte alles mitgedacht werden? Womit konnte am Anfang dieses ambitionierten Unterfangens nicht gerechnet werden? Wie groß darf gedacht werden – und wie kleinschrittig muss manches trotzdem geplant werden? Landreh zitiert Schulgesetze und wirbt für eine Schulkultur der Resonanz. Auf diesem Spektrum arbeitet das Buch verschiedene Phasen der Schulentwicklung auf, reflektiert sie und ordnet sie in eine Vision ein.
Das Buch, das beim Carl-Auer-Verlag Heidelberg in der Reihe „Systemische Pädagogik“ erschienen ist, betont häufig den Wert des systemischen Blicks bei einer Schulentwicklung. Konsequent und wünschenswert wäre es daher gewesen, die Kolleg:innen, die dem Entwicklungsprozess kritisch gegenüberstanden oder ihn sogar blockiert haben, als konstruktive Ressource für den Prozess zu verstehen und ihnen im Buch eine Stimme zu geben. Der Text zeichnet sie allerdings eher als Störquellen für eine harmonische Entwicklung.
Zu loben ist die große Transparenz. So veröffentlich er im Buch Ergebnisse der Schulinspektion der Berliner Senatsverwaltung für Bildung an der Reinhold-Burger-Schule und stellt die verheerenden Ergebnisse von 2011 denen von 2017 gegenüber. Auch wenn viele Verbesserungen sichtbar werden, die Landrehs Engagement und Ausdauer beweisen, erfordert es Mut, die Ergebnisse von 2011 vorzulegen. Landrehs bezeichnet sie selbst folgendermaßen: „Die zusammenfassende Bewertung des Schulleitungshandelns war eine Katastrophe“ (S. 164).
Schulentwicklung bleibt ein langer Prozess, aber Veränderung ist möglich
Hier liegt auch der große Wert des Buches: Der Autor macht deutlich, dass Schulentwicklung als langer und mühsamer Prozess verstanden werden kann, der mit Risiken und Rückschlägen verbunden ist. Gleichzeitig beweist er, dass Veränderung möglich ist – auch wenn sie manchmal von einem kleinen Team getragen wird: „Entwicklungsprozess beginnen mit Minderheiten, und in der Regel werden auch nie alle Mitglieder eines Kollegiums für einen Entwicklungsprozess zu gewinnen sein“ (S. 32). Hierfür mag insbesondere das Kapitel „Prozesse durchhalten“ empfohlen werden.
Guido Landreh legt mit „Schule und die Demokratie“ ein ambitioniertes Buch vor, dass theoretische Reflexionen mit der gelebten Praxis eines Schulentwicklungsprozesses vereint. Es werden konkrete Schritte und Maßnahmen gezeigt, die in Schulen in Deutschland möglich sind. Damit sei dieses Buch also all jenen ans Herz gelegt, die sich in Positionen befinden, um Schule zu verändern.







