„Grüner Umbau. Neue Allianzen für die Umwelt“ – so das Thema des Jahrbuch Ökologie 2012, in dem Aspekte einer „Grünen Transformation“ aus wissenschaftlicher wie aus der Sicht einzelner Praxisfelder in gewohnt fundierter und gut lesbarer Form beleuchtet werden. Gewonnen werden konnten namhafte ExpertInnen wie Reiner Grießhammer vom Öko-Institut, der das Zusammenwirken der unterschiedlichen Innovationsebenen wie „Wertewandel, Bewusstsein und Verhalten“ „Technologie und Produkte“ sowie „Marktordnung, staatliche Rahmenbedingungen und Konfliktregelung“ analysiert, Ernst U. v. Weizsäcker, der einmal mehr die Notwendigkeit einer ökologischen Steuerreform einfordert, oder Jochen Flasbarth, Leiter des Deutschen Umweltbundesamtes, der die ökonomische Notwendigkeit eines effizienteren Umgangs mit Rohstoffen herausstellt. Die Politikwissenschaftlerin Eva Lang erklärt am „Boiling Frog Syndrom“ den Unterschied zwischen „fühlbaren“ und „schleichenden“ Krisen: während erstere zu raschem (politischen) Handeln führen, z. B. im Kontext der Finanzkrise 2008, würden die schleichenden Krisen wie der Klimawandel zu wenig wahr- bzw. ernst genommen, was politisches Nichthandeln zur Folge habe. Ernst Udo Simonis vom Wissenschaftszentrum Berlin und langjähriger Mitherausgeber des Öko-Jahrbuchs, ruft die historischen Wurzeln einer Ökologischen Ökonomie von Ernst Haeckel über Herman Daly und Georgescu-Roegen bis herauf zu einer „ökologischen Modernisierung“ (bei Martin Jänicke) in Erinnerung und stellt diesen aktuelle Konzepte eines „Green New Deal“, etwa jenes des Umweltprogramms der Vereinten Nationen gegenüber. Wichtige Beiträge widmen sich auch der Rolle der (alten) Umweltbewegung (Dieter Rucht) sowie neuer Formen des Protests im Kontext der elektronischen Medien (Heike Leitschuh). „Neue Allianzen“ werden auch im Bereich der Finanzierung des Klimaschutzes (Liane Schalatek) oder des Waldschutzes (Sybille Acosta) geortet.

 

Der Tradition des Öko-Jahrbuchs folgend, findet man aber auch in dieser Ausgabe kritische Befunde zu einzelnen Problemfeldern (Kap. „Persistente Konflikte“ wie Atomenergie, industrielle Landwirtschaft, Biodiversität, Wasserverknappung oder „Landraub“ als „moderne Form des Kolonialismus“ (Niema Movassat). Unter „Grüne Spuren“ werden zudem konkrete Konzepte bzw. Projekte wie das Gutachten „Wege zur 100% Erneuerbaren Stromversorgung“ des Sachverständigenrates für Umweltfragen, ein Kommunen- Wettbewerb der Deutschen Umwelthilfe zum Thema „Klimaschutz“ oder Ansätze der Umweltpolitikberatung in Nordafrika beschrieben. Das Jahrbuch schließt wie immer mit Porträts über Öko-Vorreiter (diesmal Jacques Cousteau und die vor kurzem verstorbene afrikanische „Baumaktivistin“ Wangari Maathai) sowie einschlägige Umweltinstitutionen (diesmal vorgestellt werden u. a. das World Future Council sowie eine junge, auf die Neuen Medien setzende Umwelt-NGO namens „Campact“. Resümee: Mit dem vorliegenden „Jahrbuch Ökologie“ ist es den HerausgeberInnen erneut gelungen, das gestellte Thema politiknah und wissenschaftlich fundiert aufzubereiten. Es ist auch ein Vermächtnis des vor kurzem verstorbenen und langjährigen Redaktionsmitglieds Günter Altner. Mittlerweile ist ja bereits die nächste Ausgabe erschienen. H. H.

 

 

 

 Grüner Umbau. Neue Allianzen für die Umwelt. Jahrbuch Ökologie 2012. Hrsg. v. Günter Altner ....Stuttgart: Hirzel, 2011. 246 S. (Jahrbuch Ökologie 2012) € 19,80 [D], 20,50 [A], sFr 33,80

 

ISBN 978-3-7776-2152-4