Um die zunehmende Gewaltbereitschaft zu erforschen, wurden neun Professoren gebeten, Gutachten zu erstellen. Das Ergebnis ist keine" Bayerische Gewaltkommission", wie die Herausgeber eingangs betonen, vielmehr ging es um eine breite Fächerung der Standpunkte aus verschiedenen Wissenschaften. Neben einer Klärung der Ursachen und Möglichkeiten zur Abhilfe steht hier die "Unverzichtbarkeit des staatlichen Gewaltmonopols " und der Wunsch, dieses wieder stärker ins allgemeine Bewusstsein zu rücken, zur Diskussion. Zunächst wird "Gewalt" als gesellschaftliches Phänomen im Überblick dargestellt. Rolinski zitiert Untersuchungen, aus denen hervorgeht, "dass strafbares, insbesondere gewalttätiges Verhalten, von Personen vorgenommen wird, deren Mutter-Kind-Beziehung in frühester Kindheit gestört worden war". Weitere Aufsätze beschäftigen sich mit einzelnen Aspekten des Gewaltphänomens. Auch die Massenmedien als Einflussfaktoren für die Entstehung von Aggressivität und Kriminalität werden herausgearbeitet. Einig sind sich die Autoren darin, dass es keine Patentrezepte für die Eindämmung und Beseitigung von Gewalt gibt. Schüler-Springorum empfiehlt als Devise für staatliche Aktivitäten "im Zweifel weniger". Dadurch würde weniger Gewalt produziert. Oberreuter hingegen hält Legitimitätskonzessionen an die Gewalt für gänzlich unangebracht. Schmidt Glaeser betont dagegen das Ziel der Gewaltminimierung durch Erziehung zur Staatlichkeit und die Notwendigkeit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit des Staates. Bayern Gewalt

Gewalt in unserer Gesellschaft. Gutachten für das Bayerische Staatsministerium des Innern. Hrsg. v. Klaus Rolinski u. Irenäus Eibl-Eibesfeldt. Berlin: Duncker und Humblot, 1990. 222 S., DM 48,- / sFr 40,70/ öS 374,40