Das Institut für Umweltgeschichte und Regionalforschung will mit dem vorliegenden Buch integrative Lösungsansätze und Entscheidungshilfen für die ökologischen Probleme der Gegenwart erarbeiten. Der noch junge Wissenschaftszweig der Umweltgeschichtsforschung untersucht zu diesem Zweck gesellschaftliche, politische sowie ökonomische Prozesse und Zusammenhänge der Vergangenheit, um die Ergebnisse in die ökologischen Modelle der Zukunft einzubeziehen. Die Beiträge im ersten Abschnitt des Buches setzen sich mit grundlegenden Fragen der Ökologieproblematik auseinander.

Karl-Hermann Hübler zeigt in seinem Artikel auf, wie schwierig, ja manchmal kontraproduktiv es sein kann, westliche Umweltkonzepte in Entwicklungsländer, aber auch in Staaten des ehemaligen Ostblocks zu transferieren. Die gänzlich verschiedene gesellschaftliche Situation, ein anderes Wertesystem und Umweltbewusstsein verlangen hier große Flexibilität. Günter Streibel diskutiert in seinem Beitrag eine der vielversprechendsten Strategien zur Reduzierung der globalen Umweltbelastung: die verstärkte Anwendung marktwirtschaftlicher Instrumente. Stichworte sind hier die "ökologische Steuerreform" und die „umweltökonomische Gesamtrechnung". Doch auch bei diesem Modell stößt man an vielerlei Grenzen, insbesondere was die wirtschaftliche Bewertung der Natur betrifft. Wie etwa sollte das langfristige Problem des Treibhauseffekts in Zahlen umgesetzt werden, wo doch selbst Spezialisten den Temperaturanstieg nur grob schätzen können? Hermann Behrens stellt nach einem wirtschaftsgeschichtlichen Überblick die grundsätzliche Frage" Ist die industrielle Warenproduktion als dominante Produktionsweise zu einer dauerhaften und stabilen Reproduktion von Mensch und Natur geeignet?" Der Autor kommt bei der Beantwortung nicht zu einem klaren "Nein", um schließlich aber doch jene entscheidende Forderung in den Raum zu stellen, an der die westliche Welt nicht vorbeikommen wird: die Infragestellung des Reproduktionsmodus als Ganzem. Die übrigen Beiträge des Buches befassen sich mit regionalen Umweltthemen aus Deutschland, wobei die Situation in der ehemaligen DDR einen besonderen Stellenwert einnimmt.

H. S.

Umweltgeschichte und Umweltzukunft. Schwerpunkt: Umweltbewegungs- und Umweltforschungsgeschichte. Hrsg. v. IUGR, Inst. f. Umweltgeschichte u. Regionalentwicklung. K.-H. Hübler ... (Mitarb. Marburg: BdWi-Verl., 1993. 138 S. (Forum Wissenschaft; 19) DM 24,80/ sFr 23, - / öS 195,-