Um die mittlerweile vielfach erörterten Fragen der Verkehrspolitik zukunfts- und praxisorientiert zu begegnen, definieren die beiden am Wuppertallnstitut tätigen Autoren Mobilität nicht als "Bewegung an sich", sondern als" Beweglichkeit", verstanden als "Möglichkeit zur Bewegung". Nicht das Mittel der Fortbewegung, sondern deren Sinn und Zweck rückt so in den Mittelpunkt des Interesses, und es zeigt sich, daß die Option motorisierter Automobilität für alle nicht nur wirtschaftlich abstrus ist, sondern auch aus ökologischer Perspektive einem globalen Selbstmord gleichkommt: Afrika hat die PKW-Zahl Nordrhein-Westfalens, Palma de Mallorca einen leistungsfähigeren Airport als die VR China. Die Welt der Mobilität ist zweigeteilt, und es stellt sich heraus: Das Auto, Inbegriff des “American Way of Life ". ist nicht nur im globalen Maßstab unbrauchbar, es bedroht auch die Lebensfähigkeit unserer Städte. Eine ausgewogene gesundheitliche, raumplanerische und soziale Folgen der Mobilität berücksichtigende Analyse führt die Verfasser zu dem Schluß, daß "Auto fahren in den Städten zu einer unerwünschten Art der Fortbewegung werden muß". Mit einer wohlbegründeten Skepsis gegenüber Prognosen - vor denen sie selbst allerdings im Sinne einer ökologischen Option für das Jahr 2010 nicht zurückschrecken! - skizzieren Petersen/Schallaböck nach Darstellung und Kritik fiktionaler und einseitig technologischer Verkehrskonzepte, der Erörterung der Mobilitätsentwicklung und dem Befund einer aktuellen" Konjunktur der falschen Konzepte" im zentralen fünften Kapitel des Fachleuten wie Laien gleichermaßen empfehlenswerten Bandes "Ziele und Strategien für eine Verkehrswende": Die "Stärkung der Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort", die Berechnung des" Trends zur Zentralisierung", die Umsetzung des Leitbilds "Langsam und nah statt schneller und fern", das" Prinzip der Verallgemeinerbarkeit". die Umsetzung ökologischer, wirtschaftlicher, sozialer und internationaler Verträglichkeit und Prioritäten der Verkehrsentwicklung - Verkehrsvermeidung vor -verlagerung, -verbesserung und -veränderung sind einige der zentralen Parameter. Empfehlungen für den Individual-, Güter-, Flug- und öffentlichen Verkehr lassen die Autoren - als Aufforderung an die Politik verstanden - zehn Anregungen zur dauerhaften Mobilitätssicherung folgen, die kurzbis mittelfristig umzusetzen wären: Tempolimits, Subventionsabbau, Verbrauchsvorschriften für den Pkw, verursachergerechte Schwerverkehrsabgabe und kommunale Parkraumbewirtschaftung sind einige davon. Sie zu realisieren erfordert Mut und Entschlossenheit - auch den zur Einmischung und zur Mitsprache. Anderes können wir uns in Sachen Verkehrspolitik auf Gedeih und Verderb nicht mehr erlauben! W Sp.

Petersen. Rudolf; Schallaböck, Karl O.: Mobilität für morgen. Chancen einer zukunftsfähigen Verkehrspolitik. Berlin (u.a.): Birkhäuser, 1995. 376S., DM 58,-/sFr 52,-/ÖS 423,40