Schwerpunkte des vorliegenden Berichts sind die Folgen des Umbruchs in Ost-Europa und der Golfkrieg. Eingangs fasst H. Gärtner die Ergebnisse der "State of Peace-Konferenz" zusammen und macht deutlich, in welchem Ausmaß die Welt nach dem Ende des Ost-West-Konflikts an einem Scheideweg steht. Er beschreibt eine optimistische und eine pessimistische Beurteilung der Entwicklung, für die es jeweils Anhaltspunkte gibt. Neben der Krise der USA nach Auflösung der bipolaren Weltordnung werden auch die Chancen für einen grundlegenden Wandel der Sowjetunion thematisiert. K. Segbers führt aus, dass die zentristische Führung im Herbst 1990 eine autoritäre Stabilisierungsvariante unter Rückgriff auf Teile der früheren Machtapparate und konservativer Interessengruppen beschlossen hatte. Er ist jedoch der Meinung, dass die autoritäre Variante zum Scheitern verurteilt ist und der Veränderungsdruck anhalten wird. Über die Zukunft der Neutralität referiert P. Pug. Er spricht von einer Umwandlung zu Neo-Neutralität im Sinne einer sozialen Neutralitätspolitik für Frieden, globale Umweltpolitik, Verteilungsgerechtigkeit, Bekämpfung der Verarmung an der Peripherie Europas, Demokratisierung und den Abbau des Patriarchats. Die Entwicklung in Ost-Mitteleuropa und den neuen Konservatismus analysiert J. Bayer. Probleme sieht dieser in der tief verankerten kommunistischen Mentalität, die in der Idee vom irdischen Paradies (Marktwirtschaft), dem Glauben an die Allmacht unpersönlicher Regelungsmechanismen und hohen Erwartungen gegenüber dem Staat ihren Ausdruck findet. Neben Friedensperspektiven im Anschluss an den Golfkrieg geht es noch um die Ausländerpolitik in Europa (E. Sensenig) und die befürchtete" Überschwemmung" Mitteleuropas durch Armuts-Flüchtlinge aus der Sowjetunion. Ein wichtiger Beitrag zur Friedensarbeit, obwohl die Nationalitätenproblematik und die Entwicklung der Friedensbewegung erst wieder im Friedensbericht 1992 behandelt werden. Zum Thema Sowjetunion vergleiche auch: Beckherrn, Eberhard: Pulverfass Sowjetunion. Der Nationalitätenkonflikt und seine Ursachen. München: Droemer Knaur, 1990. 351 S. 

Die Welt im Umbruch. Friedensbericht 1991. Friedensforscher zur Lage. Ergebnisse der internationalen "State of Peace"-Konferenz 1990. Bearb. v. Reiner Steinweg. Hrsg. v. Österr. Institut f. Friedensforschung u. Friedenserziehung und der Schweizerischen Friedensstiftung. Wien: VWGÖ-Verl., 1991. 307 S., (Dialog, Beiträge zur Friedensforschung 20; H. 1-2/1991) DM 32,- / sFr 27,- / ÖS 250