Das Dilemma: Noch vor der Jahrtausendwende wird der Bevölkerungsanteil im Rentenalter auf 40% steigen. Dazu kommt die Tendenz, schon vor dem 60. Lebensjahr die Erwerbstätigkeit aufzugeben. Dies verringert zwar die Zahl der Arbeitslosen, doch bleibt die Frage: Wer bezahlt die Renten? Andere Senioren wollen oder sollen länger berufstätig bleiben, was im regulären Arbeitsmarkt fast unmöglich ist Die Alternativen sehen die Autoren in verschiedenen Tätigkeitsbereichen: in der selbständigen Erwerbsarbeit, in Teilzeitbeschäftigungen, in ehrenamtlichen, sozialen Aufgaben sowie im Freizeitbereich. Aus der Sicht der Soziologie, Ökonomie und Psychologie stellt Martin Kohli die große Bedeutung der Arbeit an sich und für den älteren Menschen im Besonderen dar. So kann - um ein Beispiel zu geben - der Tischler, der seinen Betrieb weiterführt, ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften, er behält seinen geregelten Tagesablauf bei, erlebt den sozialen Kontakt mit den Kunden als positiv und erfährt darüber hinaus soziale und fachliche Anerkennung. Ähnlich positive Effekte werden auch für die anderen oben angeführten Bereiche erhoben. Die Autoren setzen sich ausdrücklich mit den institutionalisierten Formen der Beschäftigung für Senioren auseinander. Abseits dieser ausgetretenen Pfade sollten sich aber auch Möglichkeiten der Betätigung finden, die auf die individuellen Dispositionen der nicht mehr erwerbstätigen Menschen Rücksicht nehmen und zum Erhalt von deren Selbstwertgefühl beitragen. Dies impliziert ein Überdenken prinzipieller Vorstellungen: Wann wird eine Beschäftigung als Arbeit und damit als beachtenswert eingestuft und wo liegt die Grenze zur Nicht-Arbeit? S.Sch.

Engagement im Ruhestand. Rentner zwischen Erwerb, Ehrenamt und Hobby. Kohli, Martin ... (Mitarb.) Opladen: Leske + Budrich, 1993. 303 S., DM 48,- / sFr 40,70/ öS 374,40