Vor Zeitenwenden hat das Reden von "Ende", "Untergang" oder bevorstehenden Katastrophen Hochkonjunktur. Die bekanntesten stammen von Spengler, Toynbee und unlängst Fukuyama. Alexander Demandt untersucht das Endzeitbewußtsein früherer Zeiten als Ausdruck einer historischen Selbsteinordnung und fragt nach dem Wahrheitsgehalt der verschiedensten Endzeitlehren. Angesichts der Kontinuität, die sich hinter den Revolutionen der Vergangenheit aufzeigen läßt, geht der Autor von einer Fortführung der Geschichte aus. Er verherrlicht den Triumph der Demokratie und setzt kurzsichtig das Ende des Ost-West-Konflikts mit dem Ende des globalen Atomkriegs gleich: "Wenn die Kassandra-Rufe gleichwohl weiter erschallen, beruht dies auf der Gewöhnung an eine apokalyptische Perspektive." Entsprechend hoffnungsfroh denkt der Autor dann über die Geschichte des dritten Jahrtausends nach. Demandt erkennt insgesamt die Tendenz einer weltweiten Verflechtung, einer Universalisierung des Zusammenlebens, was für ihn alles auf die Entstehung eines Weltstaats hindeutet. "Die Universal-Zivilisation verbreitet sich via Weltmarkt, und die für ihn erforderliche Marktordnung tendiert über das Völkerrecht zur Weltrepublik. " Ihm schwebt eine liberalisierte Endgesellschaft vor, in der alte Ideale wie Freiheit nichts mehr zählen, da alle längst befreit sind. Dieser harmonischen Entwicklung stünden drei progressive Tendenzen entgegen, Fundamentalismus, Überbevölkerung und Technikfolgen, die das Bild der Zukunft verdüstern bzw. eine turbulente Zukunft versprechen. Verharmlosend sieht Demandt in der Langeweile die Ursache für Entlastungsbedürfnisse wie Kriege, Psychosen, Affentänze usw. Wie überhaupt nach Meinung des Autors Ausnahme-Erscheinungen nicht alltägliche Dinge - das Geschichtliche ausmachen. "So ist das, was uns die Zukunft noch an Geschichte bescheren wird, weniger in der bloßen Fortführung langfristiger Entwicklungslinien zu denken als in Reibungen und Brechungen, deren Maß kaum vorherzusehen ist, deren Art und Ursprung sich dennoch vermuten läßt." Jedenfalls entspringt für Demandt die eilfertig angenommene Begrenztheit der Geschichte der wirklichen Beschränktheit unseres Denkens über sie.  Neben anderen zweifelhaften Bemerkungen ist wohl das vorgestellte Konstrukt des Universalismus am meisten zu hinterfragen, da dieses gerade jetzt zunehmend in die Defensive gerät. Vielmehr würde es darum gehen, Formen einer zeitgemäßen Koexistenz zu finden, anstatt den weltweiten Zusammenschluß zu propagieren. AA

Demandt, Alexander: Endzeit? Die Zukunft der Geschichte. München (u.a.): Siedler, 1993. 254S., DM 39,80 / sFr. 33,70/ ÖS 310,40