image004Der Club of Rome schlägt Alarm, genauer gesagt ist es Claude Martin, ein ausgewiesener Tropenwaldexperte und langjähriger Generaldirektor des WWF-International, der den Regenwaldbericht verfasst hat. Und er lässt wenig Platz für positive Dschungelbuch-Betrachtungen, denn es ist fast zu spät für die Rettung der Regenwälder. Wir haben nur noch eine winzige Chance, wenn wir endlich handeln, denn mehr als die Hälfte der weltweiten Regenwälder hat der Mensch bereits vernichtet.

Der Autor konstatiert im ersten Teil seines Buchs nüchtern und sachlich den derzeitigen Wissensstand über die tropischen Regenwälder. Er beschreibt, wie sie ins Visier der Industrie gerieten und wie Wissenschaftler den Raubbau an ihnen ab den 1970er-Jahren ins öffentliche Bewusstsein rückten. Lange Zeit, schreibt Martin, habe man die Flächenausdehnung des Regenwalds nur grob schätzen können, deshalb seien bisherige Aussagen zum Umfang der Zerstörung mit großer Vorsicht zu betrachten. Erst durch hochauflösende Satellitenbilder lässt sich das Ausmaß der Zerstörung berechnen. Die aktuellen Auswertungen zeigten, dass seit dem Jahr 2000 jedes Jahr 4,9 Millionen ha Regenwald, das ist in etwa die Größe des Bundeslandes Niedersachsen, verloren geht. Bedenkt man, dass die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten im Regenwald leben - man schätzt, dass es allein an die 20.000 verschiedene Baumarten gibt -, begreift man schnell das Gefahrenpotenzial. Als Ursachen für Entwaldung und Degradierung nennt Martin u. a. den Brandrodungsfeldbau, den Holzeinschlag, die Ölpalmen-Monokulturen und die Biodieselproduktion. Dazu kommen die ineffiziente Rinderhaltung auf Regen- waldböden sowie der Anbau von Futtersoja, um den wachsenden Fleischhunger der Menschen zu decken.

Bei der Lektüre dieses neuen Club of Rome-Berichts wird schnell klar, dass die bisherigen Anstrengungen bei weitem nicht ausreichen. Gerade vor dem Hintergrund des sich verstärkenden Klimawandels wird dies, so Martin, überdeutlich. Denn einerseits brauchen wir die Regenwälder um den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu begrenzen, andererseits setzt gerade der Klimawandel durch immer heißere Temperaturen und vor allem lange Dürreperioden diesen Wäldern stark zu. Die Herausforderungen werden in den nächsten Jahren also nicht kleiner.

Am Beispiel von Brasilien, Hauptanbauland für Soja, zeigt der Autor, was man durch öffentliche Proteste (federführend war dabei Greenpeace) erreichen kann. Heute steht die Hälfte des brasilianischen Urwaldes unter Schutz. Allerdings sei das Land gerade dabei, diese Erfolge wieder zu opfern, denn man will die Verfassung ändern, um Eingriffe einfacher genehmigen zu können. 250 riesige Staudammprojekte sind im ganzen Amazonasgebiet geplant.

Martin formuliert schließlich Kernbotschaften für die Zukunft mit Schwerpunkt auf dem Schutz intakter tropischer Regenwaldgebiete und ihrer Biodiversität wie auch dem Überleben der indigenen Gemeinschaften. "Darüber hinaus steht die Bedeutung dieser Wälder für die Kohlenstoffspeicherung und anderer Ökosystemdienstleistungen außer Frage ..." (S. 286) Für den Autor ist die Eindämmung des Klimawandels von höchster Bedeutung für das langfristige Überleben der tropischen Regenwälder, dazu müsse es aber gelingen, die Treibhausgasemissionen substanziell zu reduzieren. Insbesondere gelte es auch, die kommerzielle Nahrungs-, Futtermittel- sowie Biotreibstoffproduktion aus den tropischen Regenwäldern herauszuhalten. Große Hoffnungen setzt er in die neueste Satellitentechnik, denn dadurch lassen sich viel schneller illegale Aktivitäten erkennen und Maßnahmen dagegen ergreifen. (Bericht in ttt, www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/videos...) Zu hoffen bleibt, dass der Regenwaldbericht eine ähnliche Resonanz erfahren wird, wie einst 1972 "Die Grenzen des Wachstums" und somit die einzigartige Funktion der Regenwälder für unser globales Ökosystem erhalten bleibt. Alfred Auer

 Martin, Claude: Endspiel. Wie wir das Schicksal der tropischen Regenwälder noch wenden können.

Der neue Bericht an den Club of Rome. München: oekom-Verl., 2015. 351 S., € 22,95 [D], ISBN 978-3-86581-708-2