Die Lebensgrundlagen der Mehrheit der Weltbevölkerung beruhen auf dem direkten Zugang zu biologischen Ressourcen. Der Streit um diese Ressourcen, besonders um den Zugang zu und die Nutzung von genetischen Ressourcen gewinnt zunehmend an Bedeutung ebenso wie die Berechnung des wirtschaftlichen Werts von Tropenwäldern, Tierarten, Blütenpflanzen und Gewässer, insbesondere auch, weil die natürlichen Lebensräume bedroht sind wie nie zuvor. Spätestens seit der Rio-Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung ist diese Thematik auch Gegenstand eines umfassenden internationalen Übereinkommens (UN-Konvention über biologische Vielfalt).

Im vorliegenden Band wird der angesprochene Konflikt vor allem als Ausdruck einer Politik verstanden, die „auf Kontrolle und Neudefinition von ‘Leben’ und den Zugriff auf seine erblichen Bestandteile ausgerichtet ist” (S. 8). Ausgehend von diesem gemeinsamen Problemverständnis, so die Herausgeber im Vorwort, wird auf die vielfältigen ökonomisch-technischen, politischen, rechtlichen und sozialen Dimensionen der Biodiversität und des Naturverhältnisses eingegangen.

Im einführenden Beitrag der Herausgeber (Volker Heins / Michael Flitner) wird zunächst eine Einschätzung des Themas im Rahmen der neuen Weltordnungs-Konflikte (sie unterscheiden Verteilungs- und Anerkennungskonflikte) vorgenommen. Diese Problematik um Kontrolle, Inwertsetzung und Schutz biologischer und genetischer Ressourcen entzieht sich für die Autoren wegen ihrer Mehrdimensionalität dem Zugriff einzelner Teildisziplinen. Deshalb orientieren sie sich am Begriff der „Life Politics” in Anlehnung an Anthony Giddens, um mit unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Zugangsweisen sowohl die autoritären Varianten von Biopolitik als auch liberale Risikosoziologien zu bewerten. Besonderheiten im Hinblick auf die sozialwissenschaftliche Umweltforschung analysiert dann Christoph Görg.

Es folgt die Bewertung der wichtigsten Akteure, Arenen und Strategien im Feld der Biopolitik, wobei die Veränderung von Staatlichkeit angesichts globaler ökologischer Problemlagen ebenso untersucht wird (Ronni Lipschutz) wie die Konflikte im Umfeld der UN-Konvention über biologische Vielfalt sowie die Rolle der NGOs, welche die Heterogenität der in diesem Feld tätigen Organisationen unterstreichen.

In weiteren Beiträgen werden zentrale Prozesse und Felder analysiert, in denen der Gegenstand Biodiversität als Ressource im Sinne eines „ökonomischen Wertes der Vielfalt” betrachtet wird. Abschließend begründet Susanna Hecht am Beispiel des tropischen Regenwaldes die ambivalente Rolle der Wissenschaften unter Einfluß des neuesten Technologie- und Verwertungsschubs. A. A.

Konfliktfeld Natur. Biologische Ressourcen und globale Politik. Hrsg. v. Michael Flitner ... Opladen: Leske+Budrich, 1998. 276 S., DM 48,- / sFr 44,50 / öS 350,-