Vor dreieinhalb Jahren trafen sich Vertreter europäischer Städte mit einer Delegation der" Koordination der Indianerorganisationen des Amazonasbeckens" (COICA) in Frankfurt, um ein Bündnis der "ungleichen Partner" zum Schutz des Weltklimas zu gründen. Über dreihundert Städte und Gemeinden aus sechs europäischen Ländern sind bisher dem Klimabündnis beigetreten und verpflichteten sich damit gemäß dem verabschiedeten Manifest, den Energieverbrauch sowie den motorisierten Verkehr zu senken, den Gebrauch von FCKW-Treibgasen zu stoppen und die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2010 zu halbieren. Zudem verspricht die Vereinbarung, die amazonischen Indianervölker in der Erhaltung ihrer Lebensgrundlage, des tropischen Regenwaldes, der zugleich entscheidende Bedeutung für die Stabilisierung des Weltklimas hat, zu unterstützen. Der rechtlichen Zuerkennung ("Titulierung") der Territorien an die Ureinwohner sowie dem Verzicht der Kommunen auf Tropenholz soll dabei das Hauptaugenmerk geschenkt werden.

Die europäische Geschäftsstelle mit Sitz in Frankfurt sowie die nationalen Klima-Bündnis-Vereinigungen sehen es als ihre Aufgabe, den Kontakt zu den Regenwaldvölkern, die sich mittlerweile zu einer weltweiten Allianz zusammengeschlossen haben, zu fördern sowie die Kommunen des Klima-Bündnisses zu beraten und zu vernetzen. In einer" Klima-Bündnis-Infothek" fließen die einzelnen Maßnahmen der Mitgliedskommunen zusammen, so dass auf einen gemeinsamen Erfahrungsschatz zurückgegriffen werden kann. Die vorliegende Publikation informiert - unterteilt in die Handlungsfelder "Energie, Verkehr, Klimaschutzprogramme" - über konkrete Aktivitäten von über 50 Gemeinden bzw. Städten und stellt Organisationen und Projekte der Indianervölker im Amazonasgebiet vor. Erklärtes Ziel ist es, "die Autonomie und das Selbstbewusstsein, die Städte und Kommunen in Europa seit Jahrhunderten zu Zentren gesellschaftlicher Innovation gemacht haben", wieder zu beleben.  

Diese Dokumentation gibt zahlreiche Beispiele konkreter Handlungsansätze, in denen auch Berührungsängste zwischen Politik und Verwaltung einerseits sowie Umwelt- und Solidaritätsgruppen andererseits abgebaut werden. Dass das Klima-Bündnis nicht durch die offizielle Politik missbraucht wird und zu publikumswirksamer Rhetorik verkommt, wird zu einem wesentlichen Teil am Engagement der lokalen Bürgerinitiativen liegen, die Umsetzung der eingegangenen Verpflichtungen mit Ausdauer einzufordern.

H.H.

 

Klima - lokal geschützt! Aktivitäten europäischer Kommunen.

Hrsg. v. Klima-Bündnis / Alianza dei Clima e. V München: DM 26,-/sFr 24,-/öS 202,- Raben-Verl., 356S.