War die Natur dem Menschen lange Offenbarung göttlicher Weisheit, in der seine Sonderrolle theologisch festgeschrieben schien, so übernahmen es doch Männer der Wissenschaft wie Bacon und Descartes, diesen Herrschaftsanspruch konsequent fortzusetzen. Aber bereits im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert wird der Frage des menschlichen Einflusses auf seine natürliche Umwelt, dessen gegenwärtiges Ausmaß freilich ohne historische Parallelen ist, verstärkt Aufmerksamkeit geschenkt. Nach einem komprimierten Überblick zu den entscheidenden Phasen der kulturellen und technischen Entwicklung des Menschen, von der Altsteinzeit über das Neolithikum bis zur industriellen Revolution, entwickelt Andrew Goudie in seinem als Lehrbuch für Studierende naturwissenschaftlicher Disziplinen angelegten Werk eine Systematik derartiger Eingriffe.

Schon der Abschnitt über Einwirkungen auf die Vegetation kann die Problematik anthropogener Aktivitäten illustrieren. So hatten Maßnahmen zur Verhinderung von Bränden - etwa in Nationalparks oftmals verheerende Folgen, weil durch das Ausbleiben der natürlichen Feuer brennbares Material angehäuft wurde, das dann, einmal entzündet, Verwüstungen verursachte. Weit in die Geschichte der Menschheit reicht auch der Einfluss auf die Tierwelt zurück. Ist etwa die Domestikation ein seit zehn bis elf Jahrtausenden wirksames Phänomen, welches das evolutionäre Tempo erheblich beschleunigen konnte, so stellt sich das immer beängstigendere Formen annehmende Artensterben vor allem als Folge des Wirkens des modernen Menschen dar.

Goudie übernimmt jedoch bei seiner durch zahlreiche Tabellen und Abbildungen auch für den interessierten Laien sehr anschaulich gestalteten Darstellung keineswegs die Rolle des Anklägers, sondern versucht entgegen monokausaler Erklärungen Sensibilität für die Komplexität ökologischer Prozesse zu erzeugen. In den folgenden Kapiteln zu den Bereichen Boden, Gewässer, Geomorphologie und Klima kann der Autor an zahlreichen Beispielen zeigen, dass sich bei umweltgeschichtlichen Analysen eine klare Trennung zwischen menschlichen und natürlichen Einflüssen oftmals sehr schwierig gestaltet, während Prognosen für künftige Entwicklungen nur in der Art von Modellen und (oft sehr kontroversen) Szenarien vorgenommen werden können.

Trotz der mit der emotionslosen und sachlichen Sprache des vorsichtigen Wissenschafters einhergehenden Nüchternheit kann eine Verharmlosung der destruktiven Konsequenzen vermieden werden. Vielmehr wird dieser düsteren Aussicht die Hoffnung entgegengesetzt, verstärkt zu beobachtende Anstrengungen im Natur- und Artenschutz sowie gesellschaftlicher Wertewandel könnten die in weite Ferne gerückte Versöhnung des Menschen mit seiner Umwelt doch noch ermöglichen.

G. S.

Goudie, Andrew: Mensch und Umwelt. Eine Einführung. Spektrum: Heidelberg (u.a.): Spektrum Verl., 1994. 4805., DM 78,- / sFr 71,80/ ÖS 609