Durch immer neue und offenbar immer brutalere Auswüchse der Ausländerfeindlichkeit drängt sich das Themenfeld Ausländer, Asyl, Einwanderung, Einbürgerung, transkulturelles Zusammenleben immer mehr in die öffentliche Diskussion. Einer Atmosphäre unsachlicher, emotional aufgeheizter Argumentation versuchen bekannte Autoren wie Daniel Cohn-Bendit, Liselotte Funcke, Heiner Geißler, Dorothee Sölle und zwei in Deutschland lebende "Ausländer", Wahid Wahdatehagh und S. Shahram Iranbomy, entgegenzutreten. Ausgangspunkt ist dabei nicht die Frage, ob wir mit Ausländern zusammenleben wollen, die multikulturelle Gesellschaft ist ja längst Realität, sondern wie. In Anbetracht der Tatsache, dass die zukünftige Gesellschaft der EG eine multikulturelle ist, erscheint eine Ausgrenzung bestimmter Nationalitäten oder Rassen als absurd-gespenstische Realität. Die Autoren sind sich darin einig, dass eine kontrollierte Einwanderung (was immer sie darunter verstehen) auch eine unverzichtbare Chance zur ökonomischen und intellektuellen Erneuerung darstellt, und dass die Kapazität Deutschlands als Einwanderungsland noch nicht ausgeschöpft ist. Es geht jedoch um eine umsichtige, verständige Ausländerpolitik. Liselotte Funcke sieht in den Versäumnissen der Ausländerpolitik einen Grund für die wachsende Ausländerfeindlichkeit. Mangelnde Einflussmöglichkeit hat sie dazu veranlasst, das ihr anvertraute Amt für Ausländerfragen 1991 zurückzulegen. Auch Cohn-Bendit und Iranbomy weisen auf die rechtliche Schlechterstellung von Ausländern in Deutschland als Ursache für viele Probleme hin. Es wird klar, dass gutgemeinte Appelle an die Humanität der Bürger nur eine Seite des Problems treffen und neue politische Lösungsstrategien wie z. B. die Einrichtung einer international besetzten, weltdemokratisch agierenden Migrationsbehörde, wie dies W. Wahdatehagh vorschlägt, erforderlich sind. D. N. Zum Thema vgl. auch den von konstruktiver Polemik gekennzeichneten Band: Multi Kulti. Spielregeln für die Vielvölkerrepublik. Hrsg. v. Claus Leggewie. Berlin: Rotbuch Verl., 1990. 197 S., DM 14,-/ sFr 11,90 / öS 109,20. Die Beiträge des Titels stammen u.a. von Barbara John, Odo Marquard und Alexander Smoltczyk.

Einwanderbares Deutschland oder Vertreibung aus dem Paradies? Hrsg. v. Seyed S. lranbomy. Mit Beitr. v. Daniel Cohn-Bendit ... Frankfurt/M..: Horizonte-Verl., 1991. 110S., DM 15,- / sFr 12,70 / öS 117