Auf Spuren suche begeben sich 17 prominente Autoren (darunter nur eine Frau) aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur, die sich zum Großteil in führenden Positionen der westdeutschen Gesellschaft befinden. Dementsprechend phantasielos und Status-quo-stabilisierend gestaltet sich die Mehrzahl der Beiträge. Uneingeschränktes Festhalten an der angeblich bewährten sozialen Marktwirtschaft, deren Wettbewerb das "genialste Entmachtungsinstrument" (Bierich) darstelle und sich im Wettbewerb der Systeme nach Ablauf des Blockzeitalters eindeutig bewiesen habe, ist der Konsens unterschiedlicher Aufsätze. Die Präsidentin der Treuhandanstalt in Berlin, Birgit Breuel, geht sogar davon aus, daß Zukunft zwangsläufig gefährlich sei, womit folglich die Bedeutung eines verantwortungsvollen Handelns in der Gegenwart schwer konkretisierbar ist und in den Hintergrund tritt. Dennoch lassen sich auch unkonventionelle Gedankenansätze ausmachen. Kurt Biedenkopf, CDU-Ministerpräsident in Sachsen, meint, daß sich das in der DDR (noch) vorhandene nichtwettbewerbsorientierte Denken als" Revolution" auf ganz Deutschland ausdehnen müsse und neben Wachstum im Osten auch Begrenzung im Westen anvisiert werden sollte. Sein SPD-Kollege aus Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, will der Politik(er)verdrossenheit durch Bescheidenheit, Ehrlichkeit und tatsächliche Lösung der Probleme begegnen. Einhellig wird die zukünftige europäische Identität des deutschen Staates betont, wobei auffälligerweise in den zahlreichen historischen Analysen des nationalsozialistische Deutschland völlig ausgeblendet wird. Insbesondere die Autoren, die in den Sparten-Kultur. Erziehung und Architektur tätig sind, liefern am Ende der Essaysammlung die interessantesten Denkanstöße. Sie zeigen die Grenzen des angeblichen Fortschritts auf und stellen kreative Ansätze für ein zukünftiges natur- bzw. menschengerechtes (Nicht-)Handeln zur Diskussion. M. K.

Spuren in die Zukunft. Chancen und Perspektiven unserer Gesellschaft. Hrsg. v. Heribert Klein. München: Piper, 1993. 262 S., DM 58,- / sFr 57,90 / ÖS 310,40