Wir schreiben das Jahr 2020. Bremen, noch zu Ende des vergangenen Jahrhunderts mehr von Versäumnissen denn von vorausschauender (Umwelt)Politik geprägte Industrie- und Handelsmetropole an der Weser, hat die Gunst der bundesstaatlichen Rechtslage mit den Vorteilen der überschaubaren Größe aufs vorbildlichste genützt: Längst sind die von engagierten Politikern und Experten der Kommunalverwaltung angeregten Ansätze einer integrierten Raumplanung im  Stadtstaat verwirklicht, den Bürgerinnen und Bürgern eine verantwortungsvolle Rolle der Mitgestaltung selbstverständlich geworden. Die ehemals brachliegenden alten Hafenanlagen wurden im Sinne. ~iner sozial und ökologisch ausgerichteten Strukturpolitik zu einem Quartier der kurzen Wege weiterentwickelt. Die ehemals großen Distanzen zwischen Wohn- und Arbeitsbereich gehören der Vergangenheit an, was unter anderem zur Folge hat, daß die Region aufgrund ausgezeichneter Luft- und Trinkwasserqualität zunehmend als Erholungsgebiet gefragt ist. Bremen Ist zum „Öko-Tech-Zentrum des Nordens" geworden, hat durch die Konversion der Automobilindustrie neue Akzente im Umweltschutz und im Tourismus gesetzt, denn seit einigen Jahren schon zählen die von Mercedes Benz konstruierten Luftschiffe an der Nord- und Ostsee zum gewohnten Bild. Der legendäre bremische Energiepakt (der die E-Wirtschaft von einem Stromerzeugungs- zu einem Serviceunternehmen werden ließ), die nach dem Scheitern des Dualen Systems im Jahr 2001 eingeführte Wertstoff-Scheckkarte, die konsequente Förderung des ÖPNV, begleitet vom fortschreitenden Verzicht auf den PKW, und nicht zuletzt eine leistungsorientierte Strukturreform der Stadtverwaltung haben zum Wohle der Stadt und ihrer Bewohner beigetragen. Und da "die Stadt ohne Auto erklärtes Ziel der Europäischen Gemeinschaft geworden ist", stehen die Chancen gut, daß die ebenso weit wie umsichtige Politik der Hansestadt auch mit dem jüngst ins Leben gerufenen" Preis der EG für ökologisches Wirtschaften" bedacht wird, auch wenn die Konkurrenz manch anderer Städte zu beachten ist.  Ein inspirierendes Spektrum kommunaler Umwelt- und Strukturpolitik mit Zukunftsperspektive, zu weichem 22 AutorInnen aus Politik und Forschung beigetragen haben. Im Wesentlichen weit über die lokalen Spezifika hinausweisend, ist dieser Band all jenen zu empfehlen, für die Kommunalpolitik mehr bedeutet als das Schielen auf den nächsten Wahltermin. Zum Thema vgl. auch: Wohn-Stadt. Hrsg. v. Martin Wentz. Frankfurt/M. Campus-Verl., 1993. 230 S. (Die Zukunft des Städtischen; 4). Grundsatzüberlegungen zur Reorganisation kommunalen Wohnens (etwa die Entwicklung von parasitären hin zu symbiotischen Strukturen [Th. Sieverts]) leiten über zu spezifischen Problem- und Fragestellungen der Main-Metropole und lassen in zwei weiteren Kapiteln Erfahrungsberichte aus "Fluß-Städten" (Wien/Düsseldorf u.a.) und "Wohn-Städten" (Mailand, Madrid, Stockholm) folgen. W.Sp.

2010- Perspektiven ökologischer Stadtgestaltung. Bremen. Hrsg. v. Günter Warsewa ... Bremen: Ed. Temmen, 1993. 184 S. DM 24,90 / sFr. 21,10 / öS 194,