"Moralisch", so der Herausgeber in seinem einleitenden Beitrag, "war Friede immer notwendig", heute, da Europa den Einsatz nuklearer Waffen nicht überleben würde, "ist er pragmatisch notwendig". Welche Konsequenzen diese Einsicht vor allem auch im Bereich militärisch-strategischer Planung zur Folge haben müsste, ist Gegenstand der Arbeiten von Horst Afheldt, der erstmals 1976 das Konzept einer auf Verteidigungsfähigkeit beschränkten Rüstung vorlegte. Ihm ist dieser Band gewidmet. In vier Abschnitten kommt zwar Prominenz aus Politik und Friedensforschung, Militärs, doch weder Frauen noch friedensbewegte Bürger zu Wort, die den politischen Entspannungsprozess doch entscheidend mitgeprägt haben. Der erste Teil zum Thema Wissenschaft und Politik bietet u.a. Edward Teller Gelegenheit, in biblischer Metaphorik die Wirkkraft "raffinierter Kieselsteine" in high-tech-Version zu preisen; dagegen wohltuend ist  belde  1989  ca. 80.000  S. 3  der autobiographische Beitrag Johan Galtungs oder der Text zur" Kunst der Dialektik als Methode der Friedensforschung" von Utz-Peter Reich. Die Teile zwei und drei sind vor allem Militärs vorbehalten, die aus bundesrepublikanischer und internationaler Sicht Chancen der defensiven Verteidigung darstellen, deren Kosten für Europa auf 96894 Mrd. DM errechnet wurden! In der Fülle strategischen Taktierens fällt der Vorschlag Emil Spannocchis auf, in Österreich eine international agierende Umwelt-Sicherheitstruppe aufzubauen. Zu wenig Raum wurde jenen Autoren eingeräumt, die Frieden jenseits militärischer Kategorien vor allem als kulturpolitische Herausforderung an die Zukunft Europas definieren. Die Beiträge des vierten Teils (u.a. von Otto Schilly, Günther Geschke und Peter Glotz) seien pauschal hervorgehoben und empfohlen, weisen sie doch nach, dass Frieden nicht nur gehalten, sondern vor allem auch gestaltet werden muss. 

Die Zukunft des Friedens in Europa. Politische und militärische Voraussetzungen. Hrsg. v. earl F. v. Weizsäcker München (u.a.): Hanser, 1990.366 S., DM 45,1 sFr 39,80 1 öS 351