Kristina Lunz

Die Zukunft der Außenpolitik

Online Special
Die Zukunft der Außenpolitik

Kristina Lunz ist Mitbegründerin des Centre For Feminist Forein Policy (CFFP) in Berlin.  Bei einer Veranstaltung der Münchner Sicherheitskonferenz 2020 brachte sie ihre Ideen der Zukunft ei-ner Außenpolitik, die feministisch ist, auf den Punkt: „Eine Vision zu haben, bedeutet, den patriarchalen Status quo infrage zu stellen. Lasst uns abrüsten. Den Export von Waffen stoppen. Feministische Zivilgesellschaft finanzieren. Lasst uns Geschlechterkonfliktanalysen zum Standard machen. Internationale Beziehungen anders unterrichten. Toxische und gewalttägige Männ-lichkeit angehen. Tödliche autonome Waffensysteme verbieten. In Außenministerien Macht gerecht aufteilen. Menschrechtsverteidiger:innen schützen. Den militärisch-industriellen Komplex zerschlagen. Friedensministerien aufbauen. Lasst uns menschliche Sicherheit zur Priorität machen.“ (S. 360) Feministische Außenpolitik müsse auch intersektional, antirassistisch und antimilitaristisch sein. (S. 369)

Feministische Außenpolitik geht davon aus, dass das Patriarchat kriegerische Folgen habe. Analysen würden zeigen, dass die Unterdrückung der Frauen unmittelbar mit dem Wohlergehen von Nationen zusammenhänge. Je stärker die Gesellschaft Frauen missachte und unter-drücke, desto massiver seien die negativen Folgen: „schlechte Regierungsführung, schlimmere Konflikte, weniger Stabilität, geringere Wirtschaftsleistung, weniger Ernährungssicherheit, schlechtere Gesundheit, verschärfte demografische Probleme, weniger Umweltschutz und sozialer Fortschritt“ (S. 47).

Ein Meilenstein der Feministischen Außenpolitik ist die UN-Sicherheitsratsresolution 1325 aus dem Jahr 2000. Der Sicherheitsrat thematisierte erstmals die disproportionalen Auswirkungen von bewaffneten Konflikten auf Frauen und erkannte an, dass die Beiträge von Frauen zur Konfliktprävention, Friedensschaffung und Konfliktresolution weder ausreichend wertgeschätzt noch Frauen genügend eingebunden werden.

(S. 167) Auch die großen Herausforderungen der Zukunft brauchen eine feministische Antwort in der Diplomatie, man denke nur an die Klimakrise. „Die unterdrückenden Dynamiken des Patriarchats mit der allgegenwärtigen männlichen Gewalt gegen Frauen sind auch dafür verantwortlich, dass unsere Umwelt ausgebeutet, unterdrückt und zerstört wird.“ (S. 295)